vertrauen

Die dick zähe Nebeldecke über dem Mittelland regt an zu Haushaltarbeiten. Ich verräume die getragenen Kleider, tausche frisch riechende Bettwäsche gegen alte. Wasche. Stopfe das Loch in der Wolljacke und und … Dazu lasse ich Björk (Guðmundsdóttir), die isländische Popikone singen. «History of touches» wiederholt sie mehrmals für mich, bzw. ich programmiere den entsprechenden Vorgang, weil mir dieses Lied besonders gefällt.

Unweigerlich lande ich in Gedanken bei unserem Gespräch. Wir – das Viererteam – unterhalten uns nach der frühmorgendlichen Ruderfahrt (Start um 5.30 Uhr) bei einem Kaffee an der Tankstelle übers Leben. Die eine Ruderin fragt mich, ob ich für nächstes Jahr bereits Pläne habe.

«Ja, Island im Winter», sage ich.

Sie will wissen, ob Doris mich dabei begleitet. «Nein, ich bin vier Wochen alleine unterwegs.» Das findet sie «toll»; der Ruderkollege auch. Allerdings habe seine Partnerin für sowas wenig Verständnis. «Kannst du nicht einmal mit ihr reden», bittet er mich. Wie ernst er’s meint, kann ich nicht ganz abschätzen. Aber selbstverständlich diskutieren wir in unserer Runde noch weiter über Beziehungen und Vertrauen.

Beim Flicken des Lochs und angeregt durch Björks Titel, der übersetzt soviel heisst wie «Geschichte der Berührungen», denke ich, dass alleine Reisen möglicherweise ein vielschichtiges Vertrauen voraussetzt:

Gegenseitiges Vertrauen; Doris in mich, ich in sie.  – Vertrauen auch, dass jede alleine zurecht kommen wird.  – Vertrauen in sich selbst;  jede in sich. – Vertrauen aufs Bereichernde. Jedenfalls lässt es sich auf diesem Fundament gut reisen und ebenso gut zurückbleiben.

Übrigens: Mein Natel (Mobiltelefon) hat das Bad in der WC-Schüssel dank der anschliessenden Trocknungskur im Basmatireis bestens überstanden. Jedenfalls ist es bereits wieder in Verbindung mit der Welt. Zum Glück, kann ich da nur noch beifügen, habe ich dem Rezept meiner Nichte Vertrauen geschenkt.

4 Gedanken zu “vertrauen

  1. Ein „Natel“, so nehme ich an, ist ein Handy oder Mobiltelefon?
    Wir verreisen immer allein. Für mich normal, für den Gatten auch. Es hat sich im Laufe der Jahre als nicht anders machbar dargestellt. Er findet die Alpen langweilig, ich mag nicht in die Wüstenländer.
    Wir haben seit immer EIN Vertrauen – ich überlege, was Du mit „vielschichtig“ meinst.
    Jedenfalls mag ich Dein so anderes Leben – am frühen Morgen rumrudern, nix für mich – eher länger im Bett liegen, den Träumen nachspüren oder sich Fantasiegeschichten erzählen, wochenends…
    Gruß von Sonja

    Gefällt mir

    1. einmal: danke für den hinweis, dass natel aus-geschweizert richtigerweise handy oder mobiltelefon heisst. ich habe die änderung bereits vorgenommen.
      zweimal: ja, ein vertrauen ist ein vertrauen. ich habe mir beim haushalten überlegt, was alles an vertrauen sein sollte, um EIN vertrauen haben zu können. deshalb seziere ich EIN vertrauen und komme auf die diversen aspekte, die sicherlich nicht einmal vollzählig sind.
      dreimal: ich gehe auch alleine in die ferien. ich gehe aber auch gerne mit doris zusammen in die ferien oder auch mit andern (und mit doris). doris und ich haben, im gegensatz zu dir und deinem gatten, viele ähnliche (ferien)bedürfnisse und lebensgewohnheiten (wie ua früh aufstehen). sollten diese nicht übereinstimmen, geht jede vorübergehend ihren weg.
      lieber gruss. barbara

      Gefällt 1 Person

  2. Daraus entnehme ich, dass ich große Vorräte von Basmatireis – muss es unbedingt dieser sein oder macht es auch normaler? – anlegen sollte, denn wie ich mich kenne, fällt mein Phone auch mal in die Kloschüssel 😉
    Beste Grüße zu dir!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s