Frauen

Und selbstverständlich war dies ein Tag der Schattierungen. Ohne alles aufzählen zu wollen, war am 14. April – der Gedenktag an die vor acht Jahren verstorbene Partnerin – schon beim Erwachen klar, dass die Farbpalette grösser sein wird, als an einem andern, normaleren Tag.

Der Morgen beginnt grau.

Wir – Doris und ich – rudern über den See. Zwischendurch regnet es wie damals, als auch der Himmel weinte.

Der Nachmittag wird grau durchzogen.

Wir staunen, als wir sehen, welch neue Formatierungen der Wind den weissen Gebilden der «gemeisselten Wolken» vorzu verordnet. Später wundern wir uns, als wir den Parcours durch die Ausstellung «100 Jahre Frauen Power» machen, dass die präsentierten Werke der 140 Zürcher Künstlerinnen noch lange keine Gewähr auf Kunst ist.

Der Abend endet emotional.

Wir versinken während des Nachtessens zusammen mit Schwester und Schager wieder in der Zeit, die uns alle auf ihre Art prägte. Wir tauschen Erinnerungen aus – heitere und weniger heitere -, bevor wir zusammen in den tief roten Samtfauteuils darauf warten, was das Stück auf der Bühne uns wird sagen wollen. Da wir Arbeiten des Regisseurs und Autors René Pollesch bereits kennen, stellen wir uns auf einen unterhaltsamen, hintergründigen Theaterabend ein, der möglicherweise wiederum Diskurs und Komödie miteinander verbindet. Das Zitat auf dem Couvert des Schauspielhauses mit dem monatlichen Spielplan und der Vorankündigung zu «Bühne frei für Mick Levčik» klang jedenfalls vielversprechend:

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Der Pollesch-Abend, verkürzt erzählt, handelt von Brechts modellhafter Inszenierungsarbeit zu «Antigone» von 1948 im schweizerischen Chur. Zum Schluss der Vorführung, die abrupt endet, liegt der «Chor der alten Frauen» – verkörpert von 11 jungen Männern – auf dem Boden und findet ebenfalls keine Antwort auf die immer wiederkehrende Frage: «Worum geht es in diesem Stück eigentlich?»

Angeregt vom Abend wandern wir durch Zürichs Altstadt. Der Chor der drei alten Frauen – Schwester, Doris und ich – hakt einander ein, ist sich einig, dass es toll war und der Mann – mein Schwager – schafft es nicht in unserer Aufführung mit dem Titel «Reales Leben», die Stimmung von uns dreien zu dämpfen, auch wenn er uns ernsthaft immer wieder die gleiche Frage stellt: «Worum ging es eigentlich?»

 

 

 

 

3 Gedanken zu “Frauen

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