Paul Bley

«Ida Lupino» ist ein Stück, das ich mir immer wieder anhöre. Es ist wie Honig für die Seele. Komponiert hat es der experimentierfreudige Paul Bley, der am vergangenen Sonntag 83-jährig verstorben ist. Benannt hat der Pianist das sieben minütige, improvisierte Stück nach der Schauspielerin, die sich im Hollywood der Vierziger auf die Gestaltung attraktiver, aber komplizierter und eher unsympathischer Charakteren verstand.

Und weil ich Bley zusammen mit seiner ersten Frau Carla Bley in Zürich schon verschiedentlich spielen hörte, lese ich erst recht aufmerksam den Nachruf in der Süddeutschen Zeitung. Thomas Steinfeld schreibt darin über «Ida Lupino», wie man es nicht schöner formulieren könnte: «Ein Blues rollt darin im Hintergrund, und auch die Melodie scheint aus dem Repertoire der gängigen Unterhaltung zu stammen. Aber dann bricht sie plötzlich ab, ein paar Töne bleiben zurück, die sich, als hätte sie plötzlich ein tiefer Zweifel ergriffen, nach einem neuen tonalen Zentrum umzuschauen scheinen.»

Dieserr eine Satz «… ein paar Töne bleiben zurück, die sich, als hätte sie plötzlich ein tiefer Zweifel ergriffen, nach einem neuen tonalen Zentrum umzuschauen scheinen», der wie in der Musik ein einzelner Ton das Rundum bracht, um zur Geltung zu kommen, begeistert mich vor allem.

Und beim Weiterlesen gibt es nochmals ein Arrangement, das mir einerseits gefällt und mich andrerseits eine musikalische Perle entdecken lässt, die ich mir sogleich runterlade: «Far North» – 2014 erschienen und 40 Jahre nach «Ida Lupino» bei einem Konzert in Oslo entstanden: «Zuerst sind da Akkordblöcke, die wie gestückelt daherkommen, dann entspinnt sich eine Melodie daraus, und es wechseln die Stimmungen, und siebzehn Minuten lang bleibt nichts, wie es war.»

Nur schon deswegen kaufe ich mir das Album, weil ich wissen will, wie sich «nichts bleibt, wie es war» anhört.

 

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