Einstieg

Der Bus am frühen Morgen ist prall gefüllt. Ich schaue in die Gesichter und überlege mir, was diese Menschen arbeiten. Ich frage mich, ob sie dabei glücklich und ausgefüllt sind? Ob sie in ihrem Beruf eine Zukunft haben und wem möglicherweise die Erwerbslosigkeit droht?

Dass mich diese Gedanken ausgerechnet an diesem Montag beschäftigen, ist naheliegend. Denn heute bin ich, obwohl seit wenigen Monaten pensioniert, auf dem Weg zu meinem früheren Arbeitgeber. Ich kehre für einen dreitägigen Einsatz als Kursleiterin an meinen früheren Wirkungsort zurück.

Als ich neben meinem Kollegen und Koleiter vor den Teilnehmenden stehe, weiss ich mit einem Mal nicht, wie ich mich vorstellen und welche Tätigkeiten ich hervorheben soll. Zähle ich dasjenige auf, was mich vor wenigen Monaten noch als Ausbildnerin auszeichnete? Oder erwähne ich, was mich heute umtreibt? Ich realisiere erst, als mein Kollege seinen Erfahrungsschatz ausbreitet, dass ich mich für meinen ersten Morgenauftritt zu wenig vorbereitet habe. Irgendwie schaffe ich es dann doch noch, einzuflechten, was mich qualifiziert, vor ihnen – den jungen Berufskolleginnen und -kollegen – zu stehen.

Beim ersten Pausenkaffee thematisiere ich den, in meinen Augen missglückten Anfang. Ich rede von meinen Hemmungen, Vergangenes hervorzuheben, obwohl mir schon am Morgen auf der Busfahrt bewusst war, dass mich auch mein reicher Erfahrungsschatz auszeichnet, um nochmals an meinen langjährigen Arbeitsort zurückzukehren.

Spät in der Nacht, beim Lesen der Kursbilanzen von «Tag 1», erfahre ich, dass der Einstieg glücklicherweise nur für mich ein verpatzter war.

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