Endlichkeit

Gestern war ich so ok, dass ich Lust auf einen ganztägigen Ausflug hatte. Würde ich Golf spielen, was auf dem windigen Island eine verbreitete Sportart ist, würde ich meine Verfassung folgendermassen bezeichnen: Meine Handicap-Punkte sind abnehmend und beinahe wieder dort angelangt, wo ich in guten Zeiten einmal stand.

Nach dem Frühstück fahren «Nissan» und ich auf der «54» Richtung Westen. Kurz vor Ólafsvík führt sie uns über den 350 Meter hohen Pass Fróðárheiði von Norden nach Süden. Wir winden uns über die nicht asphaltierte Strasse hoch und rollen wieder runter mit einem Zwischenhalt in der Unglaublichkeit: Vor uns eine Weite – eine Unendlichkeit, die mich durch den ganzen Tag begleiten wird.

In der Talebene liegt Búðir. Der Weiler, der heute aus einem Hotel und einer Kirche unter Denkmalschutz besteht, liegt am Rande eines Lavafeldes. Die markierten Wege betrete ich mit riesigem Respekt und dieses Mal mit Wanderschuhen. Irgendwo, windgeschützt, lege ich mich auf den Boden – vor meinen Augen ein selten schönes Panorama; mitten drin der 1500 Meter hohe und weiss leuchtende Snæfellsjökul, was übersetzt soviel heisst wie Schneeberggletscher. Der Gedanke, der sich seit der Passfahrt festgesetzt hat, dreht sich noch immer: Endlichkeit in der Unendlichkeit.

Als ich erwache, hat der Wind die Zeit vorangeschoben und die Zeit die Endlichkeit. Nun ist mein Speicher voll; «Nissan» und ich machen uns auf den Rückweg. Trolls am Strassenrand beschützen uns.

Ich sehe Weiten aus neuen Perspektiven und auch in anderem Licht; der Gedanke bleibt sich gleich: Endlichkeit in der Unendlichkeit.

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