Intermezzo

Am Freitag hat mich meine langjährigste Freundin in Romanshorn besucht. Das macht sie nicht oft, aber immer wieder. Spontan hat sie, kurz nach ihrer Ankunft am Bahnhof, einer Facebook-Freundin telefoniert, die ebenfalls hier wohnt. Der Anruf blieb nicht ohne Folgen.

Wir verbrachten zu dritt – und später dann zu viert, als Doris nach der Arbeit ebenfalls dazu kam – einen angeregten Nachmittag mit Baden und Reden in der «Hafenstadt Romanshorn», wie der Ort im Internet etwas tollkühn für sich wirbt. Wenn man dies liest, könnte man ja meinen, man befände sich am Zugang zur Welt. Dabei liegt die Ortschaft – ebenfalls auf der Homepage nachzulesen: «Im Herzen von <Mostindien> und einer intakten Natur. Hier kann man sich <daheim> fühlen: Die Versorgung ist ausgezeichnet, die soziale Infrastruktur stimmt …».

Ja, so haben wir Romanshorn gestern auch erlebt. Ohne dass wir uns zuvor gekannt hätten, war das Zusammensein – wir drei, die uns bereits vertraut waren und der noch unbekannten Facebook-Freundin – ungezwungen. Jedenfalls beschossen wir den Abend bei Bier und Pizza ausklingen zu lassen. Erst als meine Freundin wieder auf dem Heimweg nach Rapperswil war, tobten Gewitter, Sturm und Regen über die «Hafenstadt».

Doch diese Episode wollte ich eigentlich gar nicht erzählen. Versprochen hatte ich gestern, über die Entdeckungen in der Blogwelt zu schreiben. Da es aber damals für die Entdeckung der Neuen Welt Amerika als Ausgangspunkt einen Hafen in der Alten Welt brauchte, dachte ich mir, da liegt auch das Intermezzo mit der «Hafenstadt Romanshorn» drin. Jedenfalls habe ich gestern auch eine neue Blogleserin gewonnen!

Fortsetzung folgt.

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Wurzeln

Wurzeln sind nicht nur etwas, was Pflanzen bilden. Wurzeln schlagen, gehört auch zum Menschen, um die Seele mit heimischen Gefühlen zu tränken. So wie Pflanzen über ihr verästeltes Werk Wasser und Nährstoffe saugen, tanken Menschen all das, was ihnen zulässt, sich bei einem Menschen, mit Menschen oder an einem Ort aufgehoben und wohl zu fühlen mit dem wunderbaren Effekt, dass er geerdet ist.

Meine Wurzeln sind in Zürich. Hier bin ich aufgewachsen; hier lebt mein erst gewachsenes Beziehungsfeld. Mein Wurzelwerk hat allerdings, seitdem ich Doris liebe, einen zusätzlichen Ableger in der Ostschweiz, der über sieben Jahre kontinuierlich in die Tiefe der Erde wächst.

«Dort-und-da», «da-und-dort» – je nachdem, wo ich mich gerade aufhalte – bin ich inzwischen verwurzelt.

Gestern, als wir einmal mehr morgens um fünf Uhr, dieses Mal zu viert, auf dem Bodensee in den Sonnenaufgang ruderten, spürte ich ganz fest, dass ich in meiner neueren Heimat ebenfalls aufgehoben bin.

Welch schönes Gefühl – ein Zustand jedenfalls, der es mir ermöglicht, Wurzeln zu schlagen.