Tauben

In der Zürcher Vorortsgemeinde, dem Lebensmittelpunkt meiner Kindheit und Jugend, steige ich aus dem Zug. Ich treffe meinen Schwager. Wir haben in demjenigen Lokal abgemacht, in dem meine Eltern, als sie pensioniert waren, viel Zeit verbrachten. Meine Mutter ass ein Birchermüesli, schaute meinem Vater zu, wie er sich energisch, hörbar durch die Zeitungen blätterte und freute sich, wenn er ihr daraus das Interessanteste vorlas. So jedenfalls glaube ich die Erzählung der beiden gehört zu haben.

Das Kaffee, dessen Innendekoration sich heute aus einem Gemisch von Aglo-Kitsch und Voodoo-Zauber präsentiert, spielte nicht nur im Leben meiner Eltern eine Rolle. Es ist auch Handlungsort in Melinda Nadj Abonjis Roman «Tauben fliegen auf», für den sie sowohl den schweizerischen als auch den deutschen Buchpreis erhielt. Als ich das Buch vor wenigen Jahren las, fragte ich mich immer – könnte einer der beschriebenen Gäste auch mein Vater sein.

Im realen Leben – heute am Tag, als ich meinen Schwager treffe -,  sitzen vier alte Männer am Nebentisch. Sie sind so vertraut im Umgang, wie sie nur sein können, wenn sie sich regelmässig treffen. Sie reden von früher, vom Reisen – vor allem vom exotisch Kulinarischen: Von Seegurken -«schrecklich im Geschmack», von Fischen – «schauderbar fasrig», von Schildkröten – «klein geschnitten ist das Fleisch saftiger». Und der eine, der am Fenster sitzt, übertrumpft alle andern. Er erzählt vom «Neger», der mit einem langen, angespitzten Stecken auf Jagd ging.

Damals, als ich Nadj Abonjis Roman las, in dem dieser Ort «Café Mondial» genannt wird, entdeckte ich Gemeinsamkeiten mit der Protagonistin. Deren Familie kam mit Kindern als Emigranten ins neue Land und glaubte sich durch Unscheinbarkeit in den schweizerischen Alltag einfügen zu können. Bei uns war es ähnlich – allerdings mit dem Unterschied, dass meine Eltern (beide mit Schweizer Wurzeln), den Aufstieg von der Arbeiterklasse in die Mittelschicht schafften. Dieser Schritt ging einher mit sozialer Unauffälligkeit. Darum hatten auch nur die andern Recht. Wir nie. Meine Schwester und ich hatten jedenfalls lange, bis wir uns daraus befreiten.

Ein Glück, können Tauben auch fliegen.

 

 

unbegreiflich

Swetlana Alexijewitscht, die 2015 den Nobelpreis für Literatur erhielt, sammelte sieben Jahre lang (1978 – 1985) Geschichten von Frauen, die während des zweiten Weltkrieges in der Roten Armee an vorderster Front kämpften. (Insgesamt war es eine Million Frauen). In «DER KRIEG HAT KEIN WEIBLICHES GESICHT» lässt die 68-jährige, weissrussische Journalistin unzähligste Kämpferinnen zu Wort kommen. Jede Erzählung ist erschütternd.

Auf den letzten Seiten spricht Tamara Stepanowna Umnjagina (Garde-Ungteroffizier, Sanitätsinstrukteurin). Ihre Eindrücke gebe ich hier, stellvertretend und vergekürzt wieder:

«Wenn ich davon erzähle, werde ich ganz krank. Ich erzähle, und innerlich bin ich wie aus Gelee, alles zittert. Ich sehe wieder alles vor mir: Die Toten wie sie da liegen – ihre Münder sind offen sie haben geschrien und sind mitten im Schrei verstummt, die Gedärme hängen raus. Ich hab in meinem Leben mehr Tote gesehen als Brennholz … so viel Schreckliches! Ganz schlimm ist es im Nahkampf, wo die Menschen mit Bajonetten aufeinander losgehen … Mit blankem Bajonett. Man fängt an zu stottern, ein paar Tage kriegt man kein Wort richtig raus. Man verliert die Sprache. Wer versteht das schon, wer nie dort war? Und wie soll man das erzählen? Mit welchen Worten. Mit was für einem Gesicht? Andere können das irgenwie … Sind dazu fähig … Ich nicht, Ich weine. Aber man muss erzählen, man muss, damit das bleibt. Man muss es weitergeben Irgendwo auf der Welt muss unser Schrei erhalten bleiben … Unsere Klage … Unser Atem …

(…)

Wissen Sie, was wir alle im Krieg dachten? wir träumten: <Ach, Kinder, das möchte ich noch erleben … Nach dem Krieg werden die Menschen so glücklich sein! Dann bricht ein glückliches, schönes Leben an, Die Menschenm die so viel durchgemacht haben, werden Mitgefühl füreinander haben. Liebe. Das werden andere Menschen sein.>

Aber es hat sich nichts geändert. Nichts. Die Mensch hassen einander immer noch und töten sich gegenseitig Das ist das Unbegreiflichtste für mich …»

(aus: «DER KRIEG HAT KEIN WEIBLICHES GESICHT», Swetlana Alexijewitsch)

 

Waschküche

Und dieses Mal bin ich der Nachbarin, die mir noch die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens schuldet, in der Waschküche begegnet. Sie räumt den Tumbler aus, als ich meinen Berg am Sortieren bin.

Währenddessen ich die schmutzige 40-Grad Wäsche in die Trommel stopfe, frage ich: «Und? Wie lautet die Erkenntnis deiner Psychiaterin?»

Sie holt aus, erklärt mir, worüber wir damals sprachen. Dabei kommt sie nochmals auf die Agenda mit dem Termin befreiten Rahmen zu sprechen, in der die Tage wie eine leere Leinwand vor einem liegen.

All dies will ich in diesem Moment nicht hören. Statt einzuhacken, sage ich leicht fordernd: «Und! Sag schon!»

Sie meint, es sei ganz banal.

Ja! Wie denn!

Nur ein Satz …

Ja!!

Der Sinn des Lebens ist «das Leben». Schnell und überzeugend habe ihr die Psychiaterin damals geantwortet.

Aha!?

Wir sind uns letztlich einig, dass es für uns etwas Entlastendes haben kann, wenn der Sinn des Lebens NUR «das Leben» an und für sich beinhaltet. Einfach Leben – ohne Limiten, die erreicht werden müssen. Auch ohne Vorgaben. Nichts, das verpasst werden kann. Nur dem eigenen Sinnstiftenden genügen genügt.

Für uns vielleicht schon. Denke ich an Marceline Loridan-Ivens, die Autorin von «Und du bist nicht zurück gekommen», kommen mir Zweifel.

Und um ehrlich zu sein: So einfach die Erkenntnis «das Leben» klingen mag, weiss ich schon beim Verlassen der Waschküche, dass mich dieses Leben tagtäglich von Neuem herausfordern wird. Wir beenden deshalb unser Gespräch vorerst einmal. Jedenfalls setzen wir den Gesprächspunkt bevor wir uns befähigt fühlen, einen abschliessenden Punkt hinters Thema zu setzen.

 

weshalb

«Ich wollte den Spiegel durchstossen, einen Durchgang schaffen, die Vorstellungskraft derer erreichen, die nicht dort gewesen sind», schreibt Marceline Loridan-Ivens in ihren Erinnerungen an das Massenvernichtungslager in Birkenau.

Sie war 15-jährig, als sie und ihr Vater von den Nazis aus Frankreich nach Auschwitz und Birkenau deportiert worden sind. Sie überlebte den Holocaust, ihr Vater nicht.

70 Jahre später schreibt Marceline Loridan-Ivens dem Vater, der in Auschwitz umgebracht worden ist, einen Brief in Buchform – «Und du bist nicht zurückgekommen». Darin erzählt sie von den Erinnerungen ans Konzentrationslager, vom erlebten Grauen, von der Unausweichlichkeit der eigenen Verrohung, vom Geruch des brennenden Fleisches und fragt sich, «wie etwas übermitteln, was wir uns selbst kaum erklären können?»

Sie, die nicht mehr gewachsen ist, nachdem sie ihren Vater ein letztes Mal sah, erzählt auch von der Rückkehr – vom Leben als Überlebende nach dem Leben zwischen Stacheldraht und Krematorium; vom gebrochenen Weiterleben in einer Welt, die nichts von all dem Schrecken hören will.

«Meinst du, dass wir gut daran taten, aus den Lagern zurückzukommen?», fragt die inzwischen 86-Jährige im Buch ihre Schwägerin, ebenfalls eine Überlebende. Deren Antwort ist ernüchternd. «Ich glaube nicht.» Die Autorin beantwortet auf Grund ihrer Erfahrungen dieselbe Frage ähnlich, aber dennoch nicht ganz so pessimistisch. «Ich bin nicht weit davon entfernt, so zu denken wie du», schreibt sie. «Aber ich hoffe, dass ich, wenn mir die Frage, kurz bevor ich abtrete, gestellt wird, werde sagen können, ja, es hat sich gelohnt.»

Das Buch «Und du bist nicht zurückgekehrt» ist nach dem gestrigen Film – «Als die Sonne vom Himmel fiel» – ein weiterer eindringlicher Appell an die Menschlichkeit. Doch weshalb kommt sie tagtäglich abhanden?! Geht sie tagtäglich vergessen?!

 

 

Menschen

Der Tag an dem ich meine Erkältung kuriere, versetzt mich immerhin in den Zustand der Ruhe, die mir wiederum ermöglicht, nichts anderes zu machen, als zu lesen – von mittags bis abends.

Als ich das Buch nach 348 Seiten ausgelesen habe, sehe ich auf den folgenden zwei Seiten all die Namen, die Jenny Erpenbeck geholfen haben, dass sie den Roman GEHEN GING GEGANGEN schreiben konnte. Ich lese die Namen von denjenigen Menschen, mit denen sie Gespräche führen konnte. Hassan Adam, Malu Austen, Saleh Bacha, Yaja Fatty, Adam Koné, Bashir Zaccharya – um nur einige zu nennen – die der Autorin ihre Geschichten erzählten und durch ihre Redebereitschaft wiederum dazu beigetragen haben, dass dieses Buch Einblick in eine Welt der Flüchtenden gewährt. Gedanken anregt. Es zeigt auf, wie absurd die Verkettung all der europäischen Gesetze ist. Und es schafft vor allem in seinen dokumentarischen Passagen, dass die flüchtende «Masse» die Summe einzelner Menschen mit ihren individuellen Geschichten ist, die in Europa warten, wie über sie entschieden wird.

«Die Zeit macht etwas mit einem Menschen, weil ein Mensch keine Maschine ist, die man an- und ausschalten kann. Die Zeit, in der ein Mensch nicht weiss, wie sein Leben werden kann, füllt so einen Untätigen vom Kopf bis zu den Zehen» (aus GEHEN GING GEGANGEN von Jenny Erpenbeck).

 

«brütal»

Die unzähligen Augenblicke, bereits im Laufe des frühesten Morgens, lassen mich erfahren, wie schnellstlebig Zeit ist – wie «brutal» rasch sie voranschreitet, wie eine meiner Freundinnen jeweils beim Erzählen hinzusetzt, wenn sie Bedeutendes besonders hervorheben will. Dann wird aus ihrem «brutal» sogar ein «brütal».

Also, worauf ich eigentlich hinaus will: Meine morgendlichen Momente, die ja auch Zeit beinhalten, vergehen wirklich brutal schnell. Dies war gestern und vorgestern nicht anders als heute. Gefühlsmässig kaum aus dem Bett, stehe ich noch in Unterhose und Hemd barfuss in der Wohnung und bereits hat der Tag meines aktiven Seins zweieinhalb Stunden (150 Minuten) verschlungen. «Das Alter» – denke ich als erstes. Jedenfalls haben mir schon einige Pensionierte erzählt, dass inzwischen alles viel länger dauert, um so richtig auf Touren zu kommen. Habe ich diesen Zustand ebenfalls erreicht? Vielleicht.

Ich überlege mir in diesem Zusammenhang, welchen Augenblicken ich Zeit schenkte und stelle mir zugleich die Frage: Was machte Sinn (+)? Was hätte ich ebenso gut sein lassen können (-)?

Aufstehen (+). Mit Doris telefonieren und Stimme tanken (mehr als notwendig – einfach schön, wichtig). Auf facebook Sonnenaufgangsbild von Doris‘ Schwägerin kommentieren, inklusive Wünsche für den Tag hinzufügen (+). Nochmals facebook: langjährigster Freundin Gedanken zur ausgestrahlten «nachtwach»-Sendung schreiben (+). Weiteres Verweilen –  diverse Einträge abscrollen (nicht notwendig, überflüssig: -). Zuschrift auf Blogbeitrag «Augenblicke» beantworten (+). Frisches Wasser für Doris‘ rote Rose (+). Arboner Freundin alles Gute zum neuen Lebensabschnitt mailen, da Ehemann frisch pensioniert (Anteilnahme: +). Teetrinken, frühstücken, duschen, eincremen, turnen (macht alles irgendwie Sinn: +). Baum mit goldenen Blättern betrachten; Vögel beobachten, die darin Samen naschen (überflüssig, aber beseelend: +/-).

Viele Augenblicke – eigentlich verständlich, dass die Zeit «brütal» schnell voranschreitet. Dabei ist die Tageszeitung noch unberührt (+). Hingegen habe ich inzwischen in «Alt werden ist das Schönste und Dümmste, was einem passieren kann» (Reimer Gronemeyer) das letzte Kapitel gelesen und einen spannenden Gedanken aufgenommen (+). Doch darüber definitv ein andermal (+).

Augenblicke

 Regelmässig verfolge ich den Blog von «Lyrikzeitung und Poetry News». Immer wieder entdecke ich dabei, Gedichte oder Texte, die das (Nach)-Denken anregen. Vor einiger Zeit wurde auf das Buch «Die Kunst an nichts zu glauben» von Roul Schrott hingewiesen. Damals habe ich mir die Zeilen kopiert, die ich in dem Moment wieder entdecke, als ich am Fenster sitze und in die goldfarbenen Blätter schaue, die noch nicht zu Boden gefallen sind.
«Wir glauben Zeit zu erleben; doch ist dies falsch. Ein jeder erlebt nur Momente – Momente der Erfahrung. Schnipp mit den Fingern: Da ist ein Bild, ein Augenblick. Schnipp sie erneut und da ist wieder nur ein Moment. Du denkst zwar, dass eines auf das andere folgt. Doch ist dies Illusion: Du erinnerst dich bloss, im zweiten Moment noch an den ersten. Diese Erinnerung jedoch ist keine Erfahrung vergehender Zeit. Die Erinnerung an den ersten Moment ist nur Teil des Erlebens des zweiten. Alles, was wir erleben – alles, was real ist,
sind einzelne Augenblicke.»

Gedicht (1)

Es zieht mich zum Büchergestell, nachdem ich den Text «Seelen (2)» geschrieben habe. Ich suche nach einem Gedicht, das die Kraft des Nachklingens hat. Denn ich liebe die  Konzentration auf wenige Zeilen. Selbstverständlich weiss ich, wo ich in meinem Gestell die entsprechenden Bände finde. Denn ich ordne meine gesammelten Bücher nach meiner Logik.

Spannend finde ich es jeweils, die Büchergestelle anderer abzuscannen – nicht nur wegen der Inhalte, sondern auch um zu erfahren, welches System sie fürs Bücheraufbewahren wählen – auch keines, ist es ein individuell gewähltes.

Ich reihe nach Alphabet – erste Priorität haben die Schriftstellerinnen, sie stehen mit ihren Titeln links im Gestell, danach folgen die Schriftsteller. Die Gedichtbände befinden sich genau dazwischen – geschlechterunabhängig. Doch einige erahnen sicherlich, was sich dahinter verbirg: Die Gedichtbände sind nämlich ausschliesslich von Lyrikerinnen.

Ich suche nach Erika Burkhart, die 2010 im Alter von 88 Jahren gestorben ist. In «Das späte Erkennen der Zeichen» finde ich, passend zu «Seelen (2)», folgendes Gedicht:

Weg
Allein und zu zweit gehn,
die Vorzeichen nicht übersehn,
im Visier die Uhr
ohne Zeiger.

Richtung gut

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Am Freitag war ich im Toggenburg wandernd unterwegs. Ich habe dabei unter anderem auch nochmals übers Mail meiner Schwester vom Donnerstag nachgedacht, worüber ich bereits geschrieben habe, weil ich so glücklich über ihre Zeilen war (nachzulesen in «Kuss» vom 10.9.).

Ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass sich beim Wandern die Gedanken bündeln und durch das Voranschreiten klarer werden. Das war auch am Freitag so. Ich realisiere, wie differenziert meine Schwester das «Betreff» setzte. Ihr Mail titelte sie nicht etwa «gut», auch nicht «richtig gut». Sondern: «Richtung gut». Ja, das ist für meine Schwester typisch, sie trifft meinen Zustand. Sie hat völlig recht, auf dem Weg ins Leben als Pensionierte bin ich schon ein ganzes Stück weiter als vor wenigen Monaten. Aber erst, so wie sie schreibt,  «Richtung gut».

Mein Ziel an diesem Wanderfreitag ist eine Ausstellung über Zufall oder Wirklichkeit. Doch letztlich wird es weniger eine Kulturwanderung als eine Reise in die Vergangenheit. Denn vor sieben Jahren und fünf Monaten wanderte ich mit meiner Schwester und meinem Schwager über dieselben Hügel. Doch damals schwiegen wir, denn in Gedanken waren wir bei meiner kurz zuvor verstorbenen Partnerin.

Als ich am Morgen losfahre, denke ich zwar, dass mich der Ausstellungsbesuch per Zufall diesen Weg wiederholen lässt, ohne dass mich dabei die Vergangenheit gross einholt. Doch die Wirklichkeit wird eine andere. Das Erlebte kommt mir nahe. Aber glücklicherweise nicht mehr so nahe, wie vor sieben Jahren und fünf Monaten.

Am Abend erzähle ich Doris von meinem Tag «Richtung gut» und der Zufall will es, dass es ausgerechnet derjenige Tag ist, an dem wir uns vor sieben Jahren begegnet sind und seitdem unsere Wege zu einem gemeinsamen wurde.

Anmerkung: Ausführlicher habe darüber geschrieben in «Den Himmel berühren – meine Geschichte von Trauer und erneutem Glück». Das Buch erschien 2010 beim Schweizer Verlag «Wörterseh».

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freuen

IMG_1585      Gestern hatte ich Besuch von meiner Wohnungsnachbarin. Wir treffen uns erst im Kaffee, wo’s üppige Torten, feine Patisserie und original italienische Cornettis mit Vanille- und Aprikosenfüllung gibt. Dieser Ort der Verführung befindet sich im Zürcher Kreis 5 und liegt direkt unter meinem Atelier.

Beim Reden fällt ihr auf, dass das Büro eines meiner drei «zu Hause» ist. Nicht zu unrecht. Hier bin ich fast konzentrierter als in der Wohnung neben Kühlschrank und Abstaublappen. Hier denke, lese, schreibe ich und seit jüngstem drucke ich jedes Mal, wenn ich da bin, eine isländische Erinnerung auf Fotopapier und pinne sie an die Wand.

Eigentlich ist mein Büro ein Ort, beziehungsweise einer der Orte, wo ich das Leben als Pensionierte einstudiere.

Gerade heute Morgen habe ich im bereits einmal zitierten Buch «Alt werden ist das Schönste und Dümmste, was einem passieren kann» bezüglich Alter gelesen, was der 80-jährige Artur Rubinstein zur Antwort gab, als er gefragt wurde, wie er es schaffe, noch immer so grossartige Konzerte zu geben. Der Pianist erklärte darauf hin, dass er einerseits sein Repertoire verringert habe und andrerseits die ausgewählten Stücke häufiger übe als früher. Zudem würde er, da er nicht mehr so schnell zu spielen vermöge, einen Kunstgriff anwenden. Vor besonders schnellen Passagen verlangsame er das Tempo, so dass danach die entsprechende Passage im Kontrast als ausreichend schnell erscheine.

«Vereinfachung und Vertiefung» ist u.a. ein Rezept, beziehungsweise eine Schlussfolgerung des Autors.

Meine Nachbarin lacht, als sie das Buch von Reimer Gronemeyer liegen sieht. Und als sie beim sich Umschauen Ré Soupaults Auge am Sucher der Kamera entdeckt, sagt sie: «Dieses Plakat habe ich auch schon gesehen.»

«Ja», antworte ich: «Als du meinen Blog dazu gelesen hast.» Als sie mir zustimmt, freue ich mich erst recht. IMG_2100