Konsum (1)

Wir sitzen in den roten Stühlen und datieren uns auf – meine Schwester, vor wenigen Stunden in Berlin eingetroffen, und ich. Vor uns dreht sich die Frau, die unseren Dialekt erkennt, da Tochter, Schwiegerson und Enkel seit 10 Jahren in der Schweiz leben. Sie entschuldigt sich fürs Ansprechen: Es interessiere sie, weshalb es uns hierher verschlagen habe. Ob wir denn von Ensikat schon gehört hätten. «Nein, wir kennen ihn nicht. Aber deutsche Geschichte ist einfach spannend.»

Peter Ensikat war schon zu DDR-Zeiten ein Unikat. Der vor zwei Jahren verstorbene Kabarettist und Theatertexter wird oft als «Dieter Hildebrandt des Ostens» bezeichnet. Beim Zusammenstellen meines Berliner Kultur-Konsum-Programmes habe ich zufälligerweise entdeckt, dass im einst renommierten Kabarett «Distel» Buchpremiere von «Glaubt Mir Kein Wort» ist.

Die später intonierten noch unbekannten Texte, haben eines gemeinsam: Sie sind hoch aktuell, obwohl sie über eine Zeitspanne von über 30 Jahren handeln. Nicht umsonst steht auf dem Buchrücken das Ensikat-Zitat: «Es sind nicht die Unterschiede zwischen den beiden von mir erlebten Systeme, die micht erschrecken. Es sind die Ähnlichkeiten …»

Und weil ich für diese Veranstaltung schon zum Voraus Karten kaufte, kommt es, dass wir hinter der Frau sitzen, die uns anspricht. Ich bemerke im Laufe des Gesprächs, dass ich jeweils Menschen, die Frage stelle, ob sie über die Entwicklung glücklich seien. Daraufhin  würde jeweils Strahlen oder Enttäsuchung übers Gesicht huschen. Sie lächelt und wir erfahren, dass sie vor 25 Jahren an der Ostsee zur Kur war und sich am Tag nach dem Mauerfall nicht getraut hätte, die Grenze zu überschreiten. Letztlich hätte sich für sie Negatives («als Erstes verlor ich die Stelle») zu ihrem Vorteil verändert. «Ich erhielt eine zweijährige Ausbildung zur Steuerfachfrau.» Heute ist sie pensioniert und lebt mit monatlich 1000 Euro Rente. Sie müsse sich jeweils gut überleben, was sie an Kultur konsumieren wolle.

Nach der Vorstellung kaufen meine Schwester und ich  je ein Buch und ziehen danach Richtung «Deutsches Theater». Denn unser Kultur-Konsum ist nicht limitiert. Und Corinna Harfouch in der Hauptrolle von «Herbstsonate» wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Uff

Um ehrlich zu sein, als ich morgens kurz vor sechs Uhr auf den Gehsteig trete und mich die kühle Brise empfängt, fühle ich mich von der fünftägigen Rudertour und ihrem Drumherum noch etwas angeschlagen. Aber einfach im Bett liegen bleiben, nochmals drehen und schauen, was dann ist, geht an diesem 10.10. nicht, da im Laufe der Woche plötzlich die Idee aufgetaucht ist, dass wir, die zusammengewürftelte Crew, sich zum Abschluss noch am sieben Kilometer langen «quer durch Berlin» Rennen beteiligen könnte.

Und so kommt es, dass ich bei empfindlicher Kälte zum Treffpunkt wandere, um Boote und Anhänger noch vor dem grossen Verkehr an die entsprechenden Orte zu bringen – im Gegenstrom die Nachtvögel schmusend, saufend, rauchend auf dem Weg nach Hause, womöglich in schützender Wärme.

Am Startplatz 150 andere Boote. Und eine noch grössere Menge an Ruderinnen und Ruderern, die mit Bereitstellen beschäftigt sind. Unter ihnen auch wir: Ausser unserer Steuerfrau, ein einheimisches, junges Leichtgewicht (Kilogramm), das uns wenige Stunden später durch den Kanal bis vors Kanzleramt antreiben wird, sind wir vier Frauen alle über 60-jährig. Den  Schlag vorgeben wird uns unsere ehemalige DDR-Spitzenruderin, die immer wieder versichert: «Allein das Rudern soll Freude machen!»

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Und dann wird sie, was mich eigentlich nicht weiter erstaunt, doch noch vom Rennfieber gepackt. Nervös beginnt sie am Material rumzufummeln und verstellt, was sie für notwendig hält. Ärgert sich, dass die dafür benötigten Tools nur mangelhaft vorhanden sind. «Weeste, jetzt bin ick mal so angespannt, dat ick nich mal die Schraube aufkriech.» Ich helfe ihr, auch wenn wir danach nochmals alles zurück stellen müssen, weil sie etwas im Kopf hatte, das so nicht funktioniert.

In der «Berlin» brettern wir im Gegenwind durch den Kanal. Die Steuerfrau ruft, was ich nicht verstehe. Doch ich weiss, worauf es ankommt: einfach drücken und nicht nachlassen – auf die Beine, auf die Beine, im Takt, im Takt.

«Noch 1000 Meter !» ruft jemand nach etwa einer halben Stunde vom Ufer. Ich zähle, drücke, schnaufe und gebe, auch als der Schiedsrichter kurz vor dem Zielhorn unsere Namen ruft und das Publikum während der letzten Meter kräftig anfeuert, noch einmal, was ich geben kann: Druck, Wusch. Ufff!

Kontraste

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Die Schlussetappe, mitunter bei Sonne, war eine 28 Kilometer lange Ruderreise der Kontraste: Stadt, Industrie, Natur – von Tegel, vorbei am Potsdamerplatz, bis zum Endziel Phönix (Ruderklub). Die Kanadierin, die steuert, und ich lachen, als wir beinahe im Chor sagen: «It’s a long way to Phoenix» und realisieren, dass der Name englisch ausgesprochen wie die Stadt in Arizona, die Stadt im Tal der Sonne, klingt.

Ja, bis dahin war’s wirklich ein langer Weg, vor allem ein abenteuerlicher. Denn beim Anlegen zum Lunch ist es tatsächlich noch zum Zwischenfall gekommen. Als ich der zuletzt ankommenden Crew beim Anlegen und Aussteigen helfe, schafft der eine den Schritt vom Boot zum Land. Als er der nächsten zur Hilfe die Hand reicht, verliert diese das Gleichgewicht und – schwupp: Beide verschwinden zwischen Boot und Land im halbtiefen, kalten Wasser des Kanals. Ein Horror, nur schon die Vorstellung. Mit Unterstützungvon Heraneilenden schaffen wir es, beide aus dem Wasser zu zerren.

Der Schock steht beiden im Gesicht.

Die Mittagspause hilft, die Emotionen abzubauen und Körper aufzuwärmen – auch dies ein Kontrastprogramm spezieller Art. Jedenfalls schaffen es alle bis Phönix: «Ende gut, alles gut».

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Gänsehaut (2)

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Dieses Mal schaffen wir die Vorgabe. Wir stehen pünktlich in der Hotellobby. Doch nun ist es der Busfahrer, der uns mit seiner 30-minütigen Verspätung den Rückstand aufs Tagesprogramm beschert.

Wir nehmen’s sportlich, denn schliesslich regnet’s und somit ist der Donnerstag ein Tag, an dem es nur diejenigen ins Freie treibt, die müssen oder unbedingt wollen. Unsere Rudertruppe aus Kanada, Australien, USA, Deutschland und der Schweiz gehört zur zweiten Kategorie.

Heute bin ich der «Amsterdam» zugeteilt – ein Boot mit vier Ruder- und einem Steuerplatz. Wir – vier Frauen und ein Mann – sind die ersten, die losrudern. Es regnet. Ich sitze am Schlag, wie man in unserer Sprache sagt, und gebe den Takt, den Rhythmus vor. Die Frau, die uns an diesem Morgen auf den Kanälen durch die Stadt steuert, sitzt direkt vor mir und sieht, was auf uns zukommt. Ich frage sie, die für eine kanadische Firma Küchen designt und bloss zwei Ferienwochen erhält: «Kennst du den Weg?». «Nein.»

Wir legen die Ruder aufs Wasser und warten auf das nächste Boot. Denn selbst unsere «Amsterdam»-Tagesverantwortliche hat keine Ahnung, welche Kanäle wir anpeilen, um das Ziel zu erreichen. Ich denke an meine Arboner Freundin, die hätte schon längst «Vögel bekommen», wie man bei uns sagt.

«Kennt ihr den Weg», rufe ich den nächsten zu, als sie auf gleicher Höhe sind. «Nein!»

Letztlich warten wir aufs letzte Boot, weil da die beiden Ortskundigen sitzen. Mit soviel Ahnungslosigkeit habe ich zu Beginn des Tages nicht gerechnet. Doch auch dies nehmen erstaunlicherweise alle sportlich, inklusive mir.

Der Regen klopft auf Kopf und Kleider.

Es regnet auch als wir den Fotohalt machen – da, wo noch ein Stück Mauer ist, die drei Berlin typischen «Männeckes» aus dem Wasser ragen und diejenige Brücke die Spree überquert, wo sich vor 25 Jahren Ost und West umarmte. Da, wo unsere deutsche Ruderin am 9. November ebenfalls stand und noch heute Gänsehaut kriegt, wenn sie von diesem historischen Tag erzählt. Ich höre sie in ihrem Boot darüber reden.

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traumhaft

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Gosener Graben – ein Stück Urwald mitten in Berlin (Mittwoch).

p.s. Für alle, die sich nach der Gänsehaut-Geschichte von gestern fragen, ob wir am dritten Tag unserer Rudertour durch Berlin wieder mit Verspätung gestartet und deshalb tagsüber dem Zeitplan hinterher gerudert sind – hier die Antwort: Ja und nein. Weggefahren ist unsere Truppe zwar zeitlich, doch erreichten wir das Etappenziel nicht zur vorgesehenen Zeit. Die Vorgaben waren etwas ambitioniert. Doch dies spielt bei all den wunderbaren Auen- und Moorlandschaften, den traumhaften Ecken auf Dahme und Spree keine Rolle mehr.

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Spreewald (Montag)

Gänsehaut (1)

Das Tagesprogramm unserer Rudertour durch Berlin beginnt mit mindestens einer Stunde Verspätung. Das war am Montag so, am Dienstag ebenfall und heute wahrscheinlich auch. Doch ich nehme es, wie es kommt.

Wir fahren mit dem Bus durch die Grossstadt. Er befördert die bunt zusammen gewürfelte Truppe aus Kanada, USA, Australien, Deutschland und der Schweiz zum Ausgangspunkt. Ich sitze neben der einzigen Deutschen im Team, weil ich mit ihr in meiner Sprache reden kann und weil ich am Abend zuvor erfahren habe, dass sie eine ehemalige Spitzenruderin der DDR war. Selbstverständlich fasziniert mich diese Ausgangslage.

Auf der Fahrt erzählt sie begeistert von ihren ausgedehnten Tagestouren, die sie schon hinter sich hat. Meist sind diese in der Umgebund durch unendlich viel Natur. Sie sucht im elektronischen Fotoalbum, streckt mir ihr Handy entgegen mit Bildern von spiegelnden Landschaften und sagt, als ich über die geruderten Distanzen staune, es müsse sich ja lohnen, den «Arsch» zu heben. Dabei ist sie Zahnärztin und nicht unterbeschäftigt.

Als wir an einem Rest Mauer vorbei fahren, rufen die einen im Bus, wonach die andern laut fragen: «THE WALL!?» Ich schaue ebenfalls auf das Stück Geschichte; sie sucht währenddessen nach Familienbildern – von Sohn (Computerfachmann), Tochter (ebenfalls Zahnärztin) und vier Enkelkindern.

Erst als sich wenig später die Brücke über die Spree mit den beiden Türmen aus Backstein links und rechts des Ufers in ihr Blickfeld schiebt, hält sie inne: «Hier bin ich gestanden. Die Massen haben von beiden Seiten geschoben», erzählt sie. Mit dem Trabi sei sie nach dem Volleyballtraining hierher gefahren, weil sie nicht geglaubt habe, was ein Kollege erzählte. «Siehste», sagt sie und streicht sich dabei über den nackten Unterarm: «Jetzt krieg ich wieder diese Gänsehaut!» Tatsächlich.

Übrigens: Die Verspätung holen wir nicht mehr ein – das schwindende Tageslicht beendet unsere Tour vorzeitig und schenkt mir eine weitere Begegnung. Als die einen müde und erschöpft im Hotelzimmer verschwinden, treibt mich der Hunger ins Kebap, das als einziges noch Licht hat. Drei Männer sitzen beim Bier – sie sind nicht unbedingt von der Sorte, die ich zwingend kennen lernen muss, wenn sie auf auf ihren Jacken nicht dieses Emblem tragen würden, das mich sagen lässt: «Guten Abend, Kollegen». Dabei zeige ich auf mein Seeclub Arbon-Abzeichen. «So was gibt’s ja nicht!», sagen sie, als ich mich ganz selbstverständlich zu ihnen setze und wir in der Ruderfamilie unseren Erlebnissen austauschen. Da kann ich nun so richtig punkten.

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Die Barbara Gemeinschaft findet am Mittag ein Ende. Barbara, die Gastgeberin, gibt noch einmal einen wunderbaren Tipp: Frühstücken im «Café K – Kunst unter Kiefern». Während dessen sie sich im Krafttraining abmüht, schlemmen Barbara und Barbara – meine langjährigste Freundin und ich – frische Brötchen, Käse und was man halt sonst noch so reinhaut.

Noch einmal reden wir über die gemeinsamen Berliner Tage. Barbara zieht Fazit über die vergangenen, erlebnisreichen Tage: «Da kann ich nur sagen: Ich hab’s gut ausgehalten.» Wer sie kennt, weiss, dass sie einerseits meine Bloggeschichten «aushalten» zitiert und anderseits ein riesiges Kompliment an unsere Barbara Gemeinschaft ausspricht, denn reisen ist – und war – noch nie ihr Ding.

Dann fährt Barbara – die Gastgeberin – Barbara an den Flughafen und ich ziehe alleine weiter Richtung Berlin Mitte, wo sich am Abend die Teilnehmenden der Rudertour durch Berlin, die am Montag beginnt, zu einem ersten Briefing treffen.

Der Zufall lässt mich in eine Sackgasse schlendern an deren Ende sich ein Fussballfeld mit künstlichem Rasen befindet. Erst denke ich: ein Frauenteam ist am Üben – die blauen versuchen sich im Angreifen und die roten im Abwehren. Geschossen wird bloss auf das eine Tor und das Publikum ist, im Gegensatz zum Vortag, bescheiden: ein paar verlorene Seelen, die Bier trinken, ein schreiender Trainer, eine Handvoll Frauen am Rand des Fussballfeldes und ich. Doch die dominierenden blauen von Berlin Mitte kämpfen gegen die roten, eine türkisches Fauenteam, um Punkte.

Etwas später entdecke ich doch noch Publikum. Es sitzt an den Tischen auf dem Gehsteig und schlemmt, und im Ladenlokal stehen sie Schlange vor der Vitrine und huldigen der Auslage wie einer Prinzessin. Kein Wunder – schliesslich nennt sich dieser Ort ganz unbescheiden: «Princess Cheesecake». Das Wasser läuft auch mir im Mund zusammen und trotzdem drängt mich die Warterei zum Weitergehen.

Ich wandere weiter durch’s Berlin, das mir heute ausnehmend gut gefällt und denke: «Hier lässt es sich gut aushalten.»

Olympiastadion

Angefangen hat unser Tag der Deutschen Einheit am Vortag – ja, so banal. Wir sitzen in der S-Bahn, reden in unserer Mundart bis uns das Gegenüber anquatscht. Wir erahnen bloss der Spur nach, was der fast zahnlose Mann wissen will – «Bayern» oder «Zürich». Sicher sind wir allerdings nicht. Wir antworten so, dass es nicht unhöflich ist, nachzufragen, woher er ist und bitten ihn, es zu wiederholen, weil wir seinen Dialekt kaum verstehen. Er wird etwas deutlicher: «Aus der DDR».

«Sind sie zufrieden mit der Entwicklung?», hacke ich nach. Er schüttelt den Kopf: «Nein.» In sein Erzählen knallt das Geräusch der schliessenden Türen, die Bahn beschleunigt, meine Freundin springt auf – «Shit, das wäre unsere Station gewesen». Der Mann ist eben dabei zu sagen, dass er damals in der DDR noch Arbeit hatte. Ein Haus und immer zu Essen. Dennoch erheben wir uns.

«Tschüss – wir müssen raus!».

Wir stehen an der Haltestelle «Olympiastadion», warten auf die nächste Bahn fürs Zurückfahren und begeistern uns für die Idee «Olympiastadion live» erleben.

Am Nachmittag der Deutschen Einheit sitzen wir dann tatsächlich drinnen – unsere beiden Plätze sind in der obersten Reihe. Unter uns rennen 20 Männer dem Fussball nach; 65’000 Menschen schauen ihnen und den beiden Torwarten dabei zu. Die Fans feuern ihre Teams mit Trommeln, Klatschen, Singen an – die eine Gruppe die Gäste aus Hamburg, die andere ihre Heimmannschaft «Hertha Berlin», die das Bundesligaspiel am Ende 3 zu 0 gewinnt.

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In der Pause sehen meine langjährigste Freundin und ich zum mächtigen Sportpalast. Wir sind uns bewusst, dass hier zur Eröffnung der olympischen Sommerspiele von 1936 die Menge Hitler und seiner Politik der Judenverfolgung zugejubelt hat. Und wir stehen auch vor den Informationenstafeln. Die Umrisse der lebensgrossen Figuren auf dem Gelände sind alles ehemalige jüdische Sportgrössen Deutschlands, die in ihrem Land damals auf Grund ihrer Religion keine Zukunft hatten und wer die Flucht nicht schaffte, umgebracht wurde.

Eine wiederkehrende Tragödie.

Berlin

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Vor 15 Jahren war es, als meine langjährigste Freundin für mehrere Monate in Berlin lebte. Hier, in der pulsierenden Grossstadt mit der unglaublichen Geschichte von Trennmauer durch Land und Familien, von Entzweiung und Wiedervereinigung war für sie so vieles zusammengekommen, von dem sie träumte und nie glaubte, es je zu erreichen: leben in einer deutschen Grossstadt und schreiben für die rennomierte, deutsche Wochenzeitung, die sie seit Jahren las und Massstab für ihr tägliches Arbeiten war, an dem sie immer wieder zu scheitern glaubte.

Nun wandern wir zusammen durch diese Stadt, in der ich sie während ihrer Berliner Zeit mehrmals besuchte. Wir suchen als erstes die Orte auf, wo sie ihre Kreise zog. Doch die Dinge, die damals als Ersatz für die Heimat so wichtig wurden, sind kaum noch vorhanden. 25 Jahre Wende haben dem Osten der Stadt das Konzept des Westens in fast jede Nische eingeimpft – das damals Eigene und irgendwo Eigensinnige ist verschwunden. Das Gesicht, auch rund um die Hackschen Höfe, ist geliftet «for beautyful people», wie der Zusatz eines Modelabels präzise ansagt, was heute Sache ist.

Die Gehsteige, stellen wir fest, ist so ziemlich das einzige, was nicht angeglichen und dadurch geblieben ist, wie es vor 15 Jahren war, als wir hier so viel Neues entdeckten: unangepasst und eigen.