Gender

Schon wieder.

Dieses Mal gehen wir auf dem Bürgersteig aufeinander zu; nicht auf dem Asphalt, sodern auf dem Rand aus Granit. Ich spiele ein Spiel mit mir – tanzen ohne mit den Füssen eine Fuge berühren. In meiner Kindheit trieb ich es solange, bis ich aus dem Gleichgewicht fiel.

Auch er, der auf mich zukommt, sieht darin ein Spiel – seines: Wer hält den direkten Weg.  Er, der Mann, oder sie, die Frau.

Das Anerzogene gewinnt.

Ich habe es verpasst, mich innerlich auf den Knall vorzubereiten – denn nur so ist das Muster zu durchbrechen, dass ich, die Frau, mich nicht aus der Bahn werfen lasse.

Den letzten, nicht verpassten Aufprall, erlebte ich vor einer Woche auf dem Gemüsemarkt. Richtig provokativ kam er mir telefonierend entgegen und stand plötzlich still. Verankerte sich im Boden, winkelte kurz vor dem Zusammenprall den Arm an, mit dem er das Smartphone am Ohr hielt.

Und dann knallte es. Wirklich.

Sein Blick triumphiert, als er sagt, kannst du nicht …

Nein, weshalb nicht du!

Er stehe hier doch still, ob ich das nicht sehe!

Ich weiss, sage ich, Männer haben immer Recht, gehe weiter und höre, wie er ins Handy wettert: Eine – mit einem richtigen Gender Problem!

Als ich heute auf dem Randstein tanze und es nicht zum Knallen kommen lasse, weil ich ausweiche, um danach meinen Weg über den abgrenzenden Granit fortzusetzen, weiss ich, der Mann hat wirklich Recht.

Ein Gedanke zu “Gender

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