einmischen

Dass sich mehr Menschen fürs Referendum in der Türkei und damit für demokratische Einschränkungen entschieden haben, ist eine Sache. Eine für mich nicht nachvollziehbare Tatsache.

Nicht nachvollziehbar ist für mich auch, dass ich in analysierenden Interviews in «meinen» Zeitungen unter anderem lese, dass es falsch war, im Vorfeld der anstehenden Abstimmung auf die Provokationen der Politiker des JA-Lagers zu reagieren und dezidiert auf Gefahren der Machtanhäufung hinzuweisen.

Dabei war schweigen, sich nicht einmischen, wegsehen noch nie die bessere Lösung.

«Freiheit ist ein Wort, das niemals schweigt.» Mit diesem Satz endet eine Kolumne von Asli Erdoğan, die sie im März 2016 schrieb – noch bevor ihre Zeitung «Özgür Gündem» verboten wurde, bevor sie für vier Monate im Frauengefängnis war, bevor ihr der Pass weggenommen wurde, bevor sie ihr definitives Urteil kennt, das im schlimmsten Fall «lebenslängliche Haft» bedeutet.

Von Asli Erdoğan, die gegen Willkür und Unterdrückung schrieb, als sie dies noch konnte – vielleicht noch immer einen Weg findet, dies zu tun –, lese ich den eben erst auf deutsch erschienen Essayband «Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch». Darin steht auch der Satz «Freiheit ist ein Wort, das niemals schweigt».

(Link zu Asli Erdoğan Essayband und zu einem hörenswerten Radiobeitrag.)

 

 

 

9 Gedanken zu “einmischen

      1. Genau den Gedanken hatte ich auch. Ich sitze hier gemütlich im warmen und denke so vor mich hin… Mehr tu ich nicht. Ich hab mal getrommelt, für den Frieden, gegen Atomkraft, für diversität, aber das war kein KAMPF. Das war pillepalle gegen das, was jetzt getan wird, wenn es drauf ankommt. Denn dann riskiert man wirklich was- sein Leben, seine Freiheit, seine Familie. Schwierige Frage, ja… Liebe grüße Kat.

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  1. „Die Welt“, für die der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel schreibt, der wegen seiner Berichterstattung in Istanbul im Gefängnis sitzt, ließ am Tag nach dem Referendum die Kommentarspalte auf der Titelseite frei – den Kommentar hätte D.Y. schreiben sollen. Der weiße Fleck. das Schweigen auf der Titelseite, ist eindrücklicher als viele Worte.

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  2. Ja, Hut ab vor der Opposition, die ja zahlenmäßig groß ist, machtmäßig leider aber sehr klein. Wir haben mit schwärzestem Galgenhumor gemeint, dass Gefängniswärter in der Türkei wohl ein Zukunftsberuf ist.
    Schwer zu ertragen finde ich die Interviews mit Ja-Befürwortern, die nichts anderes zu sagen wissen, als das Erdogan ein „großer Mann“ ist und das Ergebnis „super“. Wenn die Ignoranz und Hämmerpropaganda nur etwas weniger groß gewesen wäre, sähe die Sache sicher anders aus. Daher kann ich auch absolut nicht nachvollziehen, „dass es falsch war, im Vorfeld der anstehenden Abstimmung auf die Provokationen der Politiker des JA-Lagers zu reagieren und dezidiert auf Gefahren der Machtanhäufung hinzuweisen.“

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