einander finden

«Nur noch mit Antidepressiva» – unter diesem Titel ist im DAS MAGAZIN vom vergangenen Samstag (8. April 2017) ein Interview mit der Schriftstellerin Elif Shafak über Erdoğans Türkei zu lesen.

Bevor ich einen ihrer Gedanken aus dem Interview zitiere, noch kurz etwas zur Protagonistin.

Elif Shafak ist 45-jährig. Sie ist die Tocher einer Diplomatin, wuchs unter anderem in Strassbourg, Madrid, Köln, Amman, Boston, Arizona, Ankara und Istanbul auf. Heute lebt die Schriftstellerin, die meistgelesene türkische Gegenwartsautorin, in London. Unter anderen erschien auf deutsch ihr politischer Roman «Der Bastard von Istanbul». Auch ich las ihn.

Im gegenwärtigen politischen Klima wagt Elif Shafak keine Reise in die Türkei.

Im MAGAZIN spricht sie über einen Humanismus, der über nationale, religiöse und ethnische Grenzen hinausweist. Die Interviewerin will deshalb von Shafak, der Weltbürgerin, wissen, ob diese Vorstellung nicht utopisch sei.

Ihre Antwort: «In dem Gedicht „Masnavi“ des persichen Dichters Rumi entdeckt ein Gelehrter einen Vogelschwarm und ist irritiert, dass Vögel verschiedener Arten zusammen unterwegs sind. Er sieht, dass einer am Flügel verletzt ist, ein anderer am Schnabel, wieder einem anderen fehlen Federn und so weiter. Dann begreift er: Die Vögel konnten in ihrer Gruppe nicht mehr mithalten, fühlten sich allein und fanden schliesslich zueinander. Dieser Zusammenhalt stärkte sie mehr als die Zugehörigkeit zu ihrer Art. Auf der ganzen Welt gibt es Menschen, die sich nicht über ihre nationale oder religiöse Zugehörigkeit definieren. Sie müssen einander finden. Die Probleme der einzelnen Länder betreffen uns alle.»

(Wer sich für den ganzen Artikel interessiert – hier der Link)

 

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8 Gedanken zu “einander finden

  1. „Auf der ganzen Welt gibt es Menschen, die sich nicht über ihre nationale oder religiöse Zugehörigkeit definieren.“ Ja, ja und nochmals ja, diese Menschen gibt es ! Auch ein interessantes Interview. Ich denke ich werde mir zur Osterlektüre ein Buch von ihr besorgen. Danke für den link !

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  2. Oh ja, ich hab von ihr gelesen : der Geruch des Paradieses. Wenn eine Autorin es schafft, dass ich mich so sehr mit der Protagonistin identifizieren kann, dann ist das großartig! Liebe 💕 Grüße Kat.🌸

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    1. … und ich habe mir gerade heute ihr neustes, auf deutsch erschienene Buch gekauft «Der Geruch des Paradieses»! Ich bin gespannt. Und da es, wenn ich in den Buchladen gehe, meist nicht bei einem bleibt, das ich haben will, kam auch dieses Mal ein weiteres mit mir – Essays von Asli Erdogan «Nicht einmal das Schweigen gehört uns»; nur schon dieser Titel! von einer Frau, die für ihre Artikel vier Monate in Untersuchungshaft sass.
      Lieber Gruss. Barbara

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      1. Nur schon das Vorwort von Cem Özdemir (geschrieben im Februar 2017) zu Asli Erdogan’s Essay-Band, das ich soeben gelesen habe, gibt einen tiefen Einblick in die heutige, gesellschaftlich gespaltene Türkei! Sehr empfehlenswert. Liebe Grüsse Barbara

        Gefällt 1 Person

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