Jallah

Ich tauche langsam aus dem Schlaf in die Dunkelheit des werdenden Tages. Marrakechs Muezzins, die, jeder auf seine spezielle Art, ihrer Gemeinde verkünden, dass es, kurz vor Sonnenaufgang, Zeit fürs erste Gebet ist, wecken mich.

Dem morgendlichen Ruf – Gott ist gross – der sich von jedem Minarett wie Schwaden über die Dächer der Stadt legt, lausche ich jeweils gerne. Noch im Bett liegend filtere ich aus dem Klanggemisch die einzelnen Stimmen, die erste der fünf täglichen Gottesbezeugungen, singend rezitieren.

Heute ein letztes Mal; bereits morgen wird es, sofern die Schweizer Wetterprognose zutrifft, der Regen sein, der an die Scheibe klopft.

Wehmut? Auch – weil sich bei mir dieses Gefühl mit jeglicher Art bewusst erlebten Abschieds paart.

Ich steige aus dem Bett – im Ohr nicht mehr die verhallenden Klänge der Muezzins, sondern denjenigen unseres Bergführers, der jeweils zum Ende der Rast die philosophische Bemerkung machte on aime être là, mais on est pas de là, daraufhin loszog und der Gruppe noch auf berberisch <auf!, zu Neuem> zurief – ein auch klanglich lebensfrohes Jallah!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s