wie

Sich selber werden, mit jedem gelebten Lebensjahr – Hoffnung und Erkenntnis, dass das Älterwerden nicht umsonst ist/war. Dass das tägliche Feilen – ein Wort, das ich aus einem Kommentar von Ulli herauspickte – einem dahin bringt, wo jede/jeder ist, wie sie/er sein möchte – unter anderem zufrieden im Gelebten, in sich ruhend, nicht rasend «im-Morgen-im-Gestern-im-Nirgends», nicht anhaftend, nicht schmerzlich an die Endlichkeit denkend.

Ein Leben im Dies.

Kurzum: Hoffen, viel lieber noch wissen, dass man sich im Laufe des Lebens selber gefunden hat, ohne dass man sich dabei selbstgefällig in der Satisfaktion ausruht.

Zu «leben» – und zu «Leben» – habe ich eben bei Marica Bodrožić in «Mein weisser Frieden» folgendes gelesen (das heisst, kurz bevor ich nicht zuletzt auf Grund der Kommentare zur gestrigen Bloggeschichte «selbstverständlich» zu diesem Text animiert worden bin).

Bodrožić vermag in ihren Zeilen immer wieder, Lebenswesentliches herauszuschälen – in ihrer Geschichte, die sie in Verbindung mit dem beginnenden, stattfindenden, vergangenen Krieg auf dem Balkan erzählt, dabei den übergreifenden, geschichtlichen Zusammenhang miteinbezieht und einer Chirugin gleich historische Abläufe seziert.

Die in Kroatien geborene und in Deutschland aufgewachsene Schriftstellerin schreibt u.a.: «Und kann ein Mensch weiter leben, wenn er seine Fenster in sich selbst nicht öffnet? Wie. Das wie ist alles, was wir in Würde und im Bewusstsein sind. Wer sich über das wie Rechenschaft ablegt, der ist mitten in einer inneren Handlung und versteht, was damit gemeint ist, dass ein einzelner Mensch ein ganzes Land und ein einzelnes Herz eine ganze Epoche ist, ein einzelnes Wort das ganze Leben umfassen kann.»

Das kontinuierliche wie, das Öffnen der Fenster in sich selber, feilt / stärkt / modeliert und bringt einem letztlich dahin, wo man sein möchte: nämlich bei sich selber als Teil einer sozialen, verantwortungsvollen Gesellschaft, in der das wie zählt und nicht das Halten an autoritärer Macht. Jedenfalls ist dies meine Übersetzung von Bodrožić‚ Gedanke.

3 Gedanken zu “wie

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