übertragen

An diesem Morgen geht alles beschwingend schnell, obwohl sich das Wetter so gibt, dass man liebend gerne sagen würde «Was soll’s», die Decke wie einen Schlafsack nochmals um sich hüllt, damit ja keine Wärme entflieht und schnurrend wie eine Katze, sich ein weiters Mal dreht.

Trotzdem hat es mich aus dem Bett gespickt.

Ein Telefon mit Doris, grüner Tee, dazu schmackhafte Erdbeeren – direkt vom Bauernhof -, die ich fast schadlos vom Thurgau nach Zürich transportiert hatte. Und dann geht’s los.

Mit dem Fahrrad, wärmend eingehüllt, als ob ich mich im Bett auf zwei Rädern befinden würde. Selbst in Island trug ich nicht mehr Schichten, aber dort war’s noch Winter.

Im Büro angekommen, packe ich aus, was schon seit WOCHEN zu Hause bereit liegt, um mitgenommen zu werden. Die Sichtmappe mit den aller-, allerletzten, im Einsatz gewesenen Kursunterlagen. Als ich sie dann vor dem Büchergestell aus dem Rucksack nehme, entwischen, die einmal an die Wand gepinten, kreisrunden Karten. Ich lese Stichworte, die ich damals für die Teilnehmenden visualisiert hatte «Delegation», «Umgang mit Belastung», «schwierige Situationen».

Die rosa Begriffskarten lasse ich nicht etwa in den Papierkorb flattern, sondern lege sie zurück in die Sichtmappe, stelle diese im Büchergestell neben die leeren Ordner, im Wissen, dass all dies seinen ursprünglichen Zweck erfüllt hat und es bloss noch die Erinnerung an die Erinnerung ist.

Wirklich? Nicht wirklich. Denn die Themen auf den rosa Karten haben ihre fortsetzende Bedeutung – zum Beispiel im Leben und im Kursmodul dauerferien. Doch nun bin ich es – die Pensionierte -, die versucht, sich zu erinnern, was damals die Kursleiterin – also ich – dozierte, um die Lösungsansätze in meinen Alltag zu integrieren.

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5 Gedanken zu “übertragen

  1. Silke G. schreibt:

    Wie wahr: die Anwendbarkeit der Erkenntnisse aus dem Berufsleben auf das private! Im beruflichen Bereich, wenn’s denn gut sein soll, gehört die stetige Reflexion selbstverständlich dazu, während sie im privaten (ob neben oder nach der Berufstätigkeit) oft ausbleibt.. Da hilft ein Anstoss zur Achtsamkeit in allen Lebenslagen. In diesem Sinne Danke für deinen Beitrag und liebe Grüße aus dem ebenfalls recht frischen Norden

    Gefällt 1 Person

  2. Alle Menschen in meinem Umkreis kommen mir stark gestresst, manchmal gar überfordert vor. Alle müssen MEHR tun um beruflich voranzukommen oder auch nur an der Stelle zu bleiben, an der sie sind. Wenn diese Themen in deinen Kursen vorkamen, dürftest du eine ganz entspannte, lockere, weise Dame geworden sein!?
    Gruß von Sonja

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  3. Ah! Dauerferien ist die Zeit nach der Pensionierung. Wirklich??? Ich verstecke mich ja manchmal hinter der Arbeit, um nicht vom Leben gepackt zu werden… – Aber im Ernst: eine sorglose Rentnerinnen-Zeit kann ich mir gar nicht recht vorstellen. Vielleicht auch, weil ich zu den Menschen gehöre, die nie eine Rente haben werden und voraussichtlich immer weiter arbeiten müssen. Ich werde hier weiter lesen. Vielleicht komme ich ja trotzdem auf den Geschmack 😉

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    1. liebe stepfanie -in einer mehr-oder-weniger sorgenfreien rentnerinnen-zeit kann es dennoch sorgen geben. aber du hast durchaus recht, ich geniesse den luxus einer rente und den luxus von arbeiten können, wenn/wann ich will – was das leben allerdings nicht nur einfach(er) macht … lieber gruss. barbara

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