ciaou, ciaou

Eigentlich wollen wir bloss einen Termin für ein gemeinsames Zusammensein mit Essen vereinbaren. Und dann kommen wir doch noch ins Plaudern. Er erzählt, dass es seinem Partner seit der Herzschrittmacher-Operation besser geht, aber trotzdem nicht so gut wie er es sich für ihn erhofft hat. Dass er ihn deswegen vermehrt bei den Hausarbeiten unterstütze. Doch auch er brauche immer mehr Zeit dafür. Sei der Kehr, den er über Tage verteile, endlich beendet, könnte er schon wieder von vorne beginnen.

Diesen Frust kenne ich. Doch darauf antwortet er unerwartet mit: «85 ist einfach ein Wendepunkt. Meine Kräfte schwinden rapide. Und auch die Freude kommt mir abhanden.»

Möglicherweise erschrickt er wie ich über das eben Gesagte. Jedenfalls landet er beim mir Gewohnten, indem er ausführt, womit er sich momentan sonst noch so beschäftigt. Und ich erkundige mich nach seiner Recherchenarbeit, die oft unser gemeinsames Thema ist, weil diese ihn während der vergangenen Jahre von vielem absorbierte. Er erzählt vom neuen Internetauftritt, vom Fortsetzen seines Werkes durch Jüngere und mit einem Mal wird das Knistern seiner Sinne förmlich hörbar, so als hätte ich mit meiner Frage ein brennendes Zündholz ins erstickende Feuer geworfen.

Und ich bin erleichtert, dass er, der immer so zuversichtlich war, unsere Gespräch beendet mit seinem, mir so gut bekannten und heiter klingenden «ciaou, ciaou».

7 Gedanken zu “ciaou, ciaou

  1. man darf sich nur nicht daran erinnern, wie alt man ist …. schon kommen die geistigen Kräfte zurück. Oft sind es ja die Gedanken, die einen alt machen. Womit ich nicht sagen will, dass das Alter nicht an den körperlichen Kräften zehrt. Tut es. .

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  2. Dein Gesprächspartner bestätigt mir das, was ich mir so für mich vorgenommen habe. Nachdem meine Mutter 98, ihr Bruder 99 und ihre Schwester 88 geworden sind, habe ich für mich beschlossen, nicht so ein biblisches Alter erreichen zu wollen. Viele WOLLEN ja 100 werden, ich möchte so ca. 85 werden, das scheint mir ausreichend zu sein. Die Zipperleins, die ich schon habe und die auf keinen Fall weniger werden, und die eingeschränkten finanziellen Mittel scheinen mir kein halbwegs sorgloses Leben jenseits dieser Altersstufe zu ermöglichen. Und krank und siech im Bett dahinzuvegtieren, das ist mir der größte Graus, den ich mir vorstellen kann.
    Liebe Grüße an dich

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  3. Es ist ja auch ein stolzes Alter
    und manchmal macht auch traurig, nicht mehr ganz dabei sein zu können, was Freude bereitet hat 😉

    Ich habe da schon um einiges vorgesorgt,
    man braucht eben Hobbys und Abwechslung im Alltag
    und um Gottes Willen, nie die Freude am Leben verlieren.

    Liebe Grüsse zu dir

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