wählen

Wenn … wäre … hätte … von diesen Worten ist unser früher Morgen dominiert; angeregt durch den Dokumentarfilm «Sonita», den Doris und ich am Vortag im Kino sahen.

Kurz worum es sich dabei handelt: Sonita, ein aus Afghanistan geflohenes Mädchen, beginnt im Iran dank einem Heim für Strassenkinder im Leben wieder Fuss zu fassen. Ihre Liebe gilt dem Rap. Ihr Drama ist, dass sie für 9000 Dollar an einen Mann verkauft werden soll, damit sich wiederum ihr Bruder mit diesem Geld seine Braut erkaufen kann. Gegen diese Ungerechtigkeit rappt Sonita, stellt ihren Song auf Youtube, was wiederum dazu führt, dass sie entdeckt und heute in den USA gefördert wird. Der Dokumentarfilm der Iranerin Rokhsareh Ghaem Maghami, die Sonita während dreier Jahre mit der Kamera begleitete, lässt die Zuschauerin einmal mehr in Armut und soziale Abgründe blicken, in fundamental-religiös geprägte Familientraditionen, in denen Frauen rechtlos sind.

Nach dem Film einmal mehr die grosse Dankbarkeit, dass ich geboren worden bin, wo ich lebe und fassungslos gegenüber der gesehenen Realität.

Deshalb auch unser Gespräch am Nachfolgetag, das mit «wenn», «wäre», «hätte» angehäuft ist – mit dieser Hypothese, was wäre, wenn Menschen frei über ihr Leben entscheiden könnten, frei ihre Wünsche äussern könnten, ohne dass eine Machthierarchie, die sich legitimiert über Geld, Korruption und Religion, so viel Menschen, vor allem Frauen, unterdrücken würde.

Was wäre, wenn Sonita, die nie an flüchten dachte, dort, wo sie geboren wurde, selber über Berufs- und Partnerwahl entscheiden könnte? Würde sie, die nie fort wollte, nicht wohler bei in ihrer Familie, in ihrer Kultur als anderswo?

Wäre die Gesellschaft nicht eine auch an Glück reichere, wenn Frauen frei entscheiden könnten, was sie lernen, mit wem sie zusammenleben möchten?

Hätten Kinder nicht eine unbeschwertere Jungend, wenn sie in einer Gemeinschaft aufwachsen könnten, welche sich ohne Zwang zusammengefunden hätte?

Wäre, hätte, würde … Die voranschreitende Zeit beendet unsere Diskussion. Beide verschwinden in ihre Richtung, beide in eine frei gewählte.

Ein Gedanke zu “wählen

  1. DAs sind so oft auch meine Gedanken: Warum haben es einige Menschen auf der Welt so gut, dass sie weder von Naturkatastrophen noch von menschlichen Katastrophen heimgesucht werden – und bei einer viel größeren Anzahl fängt es schon mit Wasser und Nahrung an, geschweige denn Sicherheit, leibliches Unversehrtsein und anderes.
    Das Leben ist wirklich ungerecht, wenn wir Mitteleuropäer ehrlich sind.

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s