Interesselosigkeit

Das passiert mir erst zum zweiten Mal: gähnende Leere im Kinosaal. Dabei ist der Film eben erst angelaufen und Doris und ich sind die einzigen, die gekommen sind.

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Was schon in Bälde auf die noch weisse Leinwand projiziert werden wird, beruht auf einer wahren Geschichte, die anfangs des neuen Milleniums im realen Leben vorgekommen ist und deshalb noch nicht allzu weit zurück liegt, schon gar nicht im letzten Jahrtausend, auch wenn die gesellschaftlichen Auffassungen, die der Film zum Inhalt hat, aus dem letzten Jahrhundert stammen könnten.

«Freeheld» handelt von einem lesbischen Paar, das in einer eingetragenen Partnerinnenschaft in den USA im Staate New Yersey lebt. Die eine arbeitet als Kriminalpolizistin und die andere als Automechanikerin. Das Zusammensein der beiden wird schon nach kurzer Zeit durchs Erkranen an unheilbarem Lungenkrebs überschattet. Mit dem Bewusstsein der Endlichkeit, versucht die sterbende Polizistin, ihre Pensionsansprüche an ihre Partnerin zu überschreiben. Doch damals, 2003, war dieses Recht noch beschränkt auf heterosexuelle Beziehungen.

Mit dem Kampf für Gleichberechtigung und Unterstützung der Gay-Community sowie ihres Polizisten-Partners wird die Gesetzesänderung dann doch noch möglich. Und „glücklicherweise», sagt Ellen Page, die erst vor wenigen Jahren ihr Coming-out hatte, in einem Interview, «hat dieser Fall dafür gesorgt, dass der Oberste Gerichtshof der USA ein Antidiskriminierungsgesetz erlassen hat, nachdem keiner wegen seiner sexuellen Orientierung benachteiligt werden darf».

In welchem Jahr war das denn schon wieder?

2015!

Doris und ich müssen während des Films oft weinen, da wir mit einer Gesellschaft konfrontiert werden, in der auch wir im weitesten Sinn verwurzelt sind. Und wir bleiben aufgewühlt, länger als die Vorführung dauert – nicht zuletzt auch weil wir die einzigen blieben, die sich den Film ansahen. Denn die offensichtliche Interesselosigkeit erschüttert uns fast noch mehr als die wahre Geschichte.

16 Gedanken zu “Interesselosigkeit

  1. Dabei bin ich mir so sicher, dass Ihr konstruktiv damit umgeht, also nicht nur Jammer und Erschütterung walten lasst. Gründe für ein fast leeres Kino gibt es zuhauf, auch ein paar, die Euch nicht genehm sind. Damit können wir doch umgehen – odrrr?

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  2. Ich bin da ziemlich pragmatisch: Ins Kino müssen die Leute nicht, aber die Gesetzeslage muss stimmen, das heißt, gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind den bürgerlichen Ehen gleichgestellt. Das würde so oft schon helfen!
    Liebe Grüße von mir

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  3. Ob es wirklich nur Interessenlosigkeit ist, bezweifle ich ein wenig, weil ich das öfter an Tagen im Kino erlebe, die einfach keine Kinotage sind. Montags gehe ich z.B. und da war ich schon einige male allein in der Vorstellung.
    Es liegt ganz sicher auch daran, dass für bestimmte Filme einfach zu wenig geworben wird und das wirkt sich aus.
    Ich finde das Thema total interessant, zumal es auf einer wahren Geschichte, basiert.
    Aber sicher hast du auch recht damit, dass so mancher Mitmensch noch immer im letzten Jahrhundert mit seinen Ansichten, lebt 😉

    Sehe es einfach positiv Barbara, ihr hattet ein ganzes Kino für euch allein und konntet euren Emotionen freien Lauf lassen.

    LG Uschi

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  4. Marion schreibt:

    Puh, das kann ich mir gut vorstellen, dass der leere Saal bedrückend wirkte zu einem so wichtigen Thema. Hab gerade dieser Tage eine Vorschau auf den Film gesehen (gestern?) und fand ihn spannend. Dass erst 2015 die Möglichkeit für gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Partner geschaffen wurde, hat mich allerdings auch desillusioniert.

    Prima, dass ihr den Film gesehen habt und prima, dass du darüber geschrieben hast.

    LG
    Marion

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  5. Sehr schade, ich hätte mir den Film gern angesehen. Mag es auch Filme anzuschauen, die nicht so bekannt sind und mehr ernsthaft. Gehe ja auch oft ins Kino, muss feststellen, es ist leider oftmals ziemlich leer. Für mich jetzt ganz gut, weil ich bin ja nicht so gern unter so Menschenmassen.

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