kristallisieren

Auf dem Weg von dort (Zürich) nach dort (Bodensee und Doris) mache ich einen Umweg «via», um, nach dem Wiedersehen mit meiner Schwester, nun auch noch meine langjährigste Freundin zu sehen, wenigstens für knappe zwei Stunden.

Wir treffen uns am Ort, wo wir meist hingehen, ins Kaffee in der Altstadt mit den verführerisch feinen, hausgemachten Fruchttörtchen, deren Konsum ich mir heute allerdings verbiete. Denn mit Schrecken habe ich im öffentlichen Bad in Reykjavík, als ich auf die Waage stand, realisiert, dass ich in den vergangenen Jahren an Kilos zugelegte – allzu viele finde ich und deshalb versuche ich nun, diesem «Gluscht» nicht nachzugeben.

Wir reden über vieles – auch über die Wahlen in Deutschland, die von der Flüchtlingspolitik geprägt waren. Sie erzählt vom Gespräch mit Angela Merkel in der Sendung von Anne Will. Meine Freundin ist beeindruckt von Merkels Haltung und ärgert sich über die Merkel feindlichen Kommentare am Nachfolgetag in der Schweizer Presse.

Dann ist Zeit, aufzubrechen.

Beim Verabschieden am Bahnhof meint sie, im Tonfall etwas zwischen irritiert und erschreckt: «Jetzt habe ich ganz vergessen, dich über Island zu befragen. Doch beim Lesen deines Blogs hatte ich immer das Gefühl, ich sei auch mit dabei auf deiner Reise.»

Das ist das Risiko einer Blogschreiberin.

Ihr Kompliment begleitet mich auf meiner Fahrt nach dort und ich weiss, in irgend einem andern Zusammenhang wird sich sicher die Gelegenheit ergeben, von damals zu erzählen – weniger im Sinn von Erlebnisbericht, sondern eher als Gedanken, die sich in Weite, Wind und allein sein kristallisiert haben.

5 Gedanken zu “kristallisieren

  1. Das gefühlte was unmittelbare Dabeisein, macht das bloggen manchmal echt sehr besonders.. Sachen und Geschichten im richtigen Alltag einfach wiederzugeben „nachzuerzählen“.. ist einfach auch oft das Leben nacherzählen… und hat dann nicht mehr diese Spontanität.. auch wenns im blogg „nacherzählt“ wird..ist es trotzdem ein Unterschied.. finde ich..
    Bodensee… auch schön…!
    S.

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  2. Ich finde es schön, dass auch im Ausland Merkels Haltung akzeptiert und gut gefunden wird. – Ich war bisher nie ein Fan von ihr – doch jetzt bewundere ich sie wegen ihrer „Starrköpfigkeit“ – bloß leider hat sie wenig Erfolg.
    Mit lieben Grüßen

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    1. jedenfalls hat sie eine haltung, die sich nicht nach dem wind richtet. jedenfalls hat sie eine moral. jedenfalls wird sie in den spiegel schaue können und dort sich begegnen!
      und jedenfalls sollte endlich auch einmal die ursache (krieg anzetteln) thema sein und nicht bloss deren auswirkung, aber damit lassen sich keine stimmen machen/fangen.
      lieber gruss. barbara

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  3. Mir geht es wie deiner Freundin.
    Ich bin nun bestimmt kein CDU-Fan, doch die Politik von Angela Merkel finde ich bewundernswert … Wirklich hartnäckig ihren Standpunkt beizubehalten, das ist in diesen Zeiten sicherlich nicht leicht.
    Und zu deinen Erlebnissen während der Reise: manchmal geht ja mit ein bisschen Abstand erst recht das Erzählen gut, ganz so, wie du sagst … noch mehr von Innen heraus.

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