ausgerechnet

In der tiefe jedes Einstiches meines Stockes zeigt sich der Schnee in hellem, aquelliertem Blau. Ich prüfe wieder und wieder. Was ich vor drei Tagen entdeckte, wiederholt sich in jeder neu erwanderten Gegend. Ich frage Jean-Marc, unseren Tourenleiter, der Island als ausgewanderter Franzose wohl besser kennt, als viele auf der Insel Geborene.

«The sky. Im Loch findet sich der Himmel wieder», ist seine Antwort.

Es ist keine wissenschaftliche Erklärung, sondern etwas zum Nachdenken. So ist Jean-Marc ebenfalls – nicht nur ein verlässlicher «Guide», sondern auch ein Philosoph. Eine Mischung aus meditierendem Jogi und einem Pfad suchenden Indiander.

Im labyrinthischen Gebiet, das schwarze Kirche genannt wird, und nur im Winter abseits der vorgegebenen Wege begehbar ist, verliert er die Orientierung nie, obwohl es das Land der Trolle ist, die durch ihre interpretierbaren, erstarrten Formen Mythen und Sagen entstehen lassen – auch dass Menschen nie mehr zurückgekehrt sind. Hier durchqueren wir an unserem letzten Schneeschuh-Wandertag Senken und Höhen, wo Birken und Kiefern wachsen.

Wir staunen. Denn Bäume sind auf dieser kargen Insel eine Seltenheit. Unsere Frage, weshalb ausgerechnet hier, ist deshalb nur naheliegend. «Frag sie selber», sagt er, «früher gab es möglicherweise Menschen, die ihre Sprache verstanden.» Nach einer Pause macht er den Link zu uns. Er fragt in die Runde: «Ist es uns jeweils klar, weshalb wir wo sind?» Mir jedenfalls nicht immer so wie an diesem Tag, als ich durch diese bizarre Landschaft wandere.

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4 Gedanken zu “ausgerechnet

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