glauben

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Der Kraterrand, ganz hinten, ist unser Ziel. Wir fünf – das dänische Paar, das Paar aus der Westschweiz und ich -, versuchen in unserem Rhythmus den Abstand zum Gruppenleiter nicht allzu gross werden zu lassen. Den einen gelingt’s besser, den andern weniger. Was vielleicht als Problem erscheinen könnte, ist keines mehr, nachdem ich mein gemächlicheres Schneeschuh Wandertempo thematisierte. Jean-Marc, der vor 10 Jahren nach Island emigrierte Franzose, meint, warten sei kein Thema, denn an dieser Landschaft könne er sich eh nie satt sehen.

Während des Wanderns durchs Mývatn-Gebiet erzählt er uns viel über Gegend, Geografie, Geologie, Lebensphilosopie und -einstellung. Dabei sagt er meist «wir Isländer», manchmal auch «wir Franzosen». Doch letztlich ist die Liebe zur Insel grösser, glaube ich wenigstens zu spüren.

Jean-Marc, der Organisator, ist ein umsichtiger Wanderleiter. Mit Respekt durchschreitet er das vulkanische Gebiet, durch das sich, wie in  Þingvellir, die Spalten ziehen, die durch die tektonischen Bewegungen entstanden sind.

Lange nachdem wir ins Kraterinnere runter- und wieder hochgestiegen sind, führt uns der Franzosen-Isländer zu heissem Wasser, das sich in einem Becken unter dem Gewölbe angesammelt hat. Dort werden wir am Ende der Schneeschuh-Tour, nach fast fünf Stunden wandern, noch reinkriechen und in 40-grädiges Wasser steigen.

Je mehr wir uns dem Ort der Entspannung nähern, desto langsamer wird sein Schritt und desto aufmerksamer tasten seine Augen das Gelände ab. Einmal sticht er mit meinen Stock tief in den Schnee und zieht daraufhin den Umweg vor. Er meint, in dieser Gegend der Formationsaktivitäten hätte es unter dem Weiss überall Löcher – ein Unglück sei schnell passiert und mahnt uns, seinen Spuren exakt zu folgen; ja keine unvorsichtigen Schritte. Zwei Asiatinnen kommen uns lachend entgegen. «Hello», sagen sie während des sich gegenseitigen Fotografierens und fragen, ob es hier, quer durch, zum Krater geht? Also dorthin, woher wir kommen. «Ja, das ist aber keine gute Idee», sagt er, mehr nicht. Und sie glauben ihm sogar.

 

 

 

10 Gedanken zu “glauben

  1. In manchen Fällen kann glauben oder auch Glaube Leben retten. Faszinierend dieser Kontrast zwischen eiskaltem Schnee und „heißwarmem“ Quellwasser.
    Mit liebem Gruß zu dir!

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  2. Das schaut aus wie auf einem fremden Planeten! Sehr beeindruckend – wie gern hätte ich ein Foto vom Einstieg ins dampfende Wasser gesehen!
    Unterhaltsam, das alles zu lesen- doch dortsein wöllte ich nicht.
    Der Marc hat mich schwer beeindruckt, allein durch deine Worte über ihn!

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    1. fotografieren ging da nicht. einige von uns waren nackt. und die linse wäre bei diesem dampf, der sich durch heisses wasser-kalte umgebung entwickelt, gleich angelaufen. übrigens: der dampf räuchelt in dieser gegend überall irgendwo aus der erde! bei uns wären es industriekamine – hier sind es die phänomene der unter uns brodelnden erde. lieber gruss. barbara

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  3. Diese Gegensätze sind Klasse.. alles so ur… irgendwie…und Schneeschuhwandern soll richtig anstrengend sein. Eine Arbeitskollegin in der Schweiz hat damals extra geübt, bevor sie auf grosse Tour ging. Respekt..
    Tja.. Asiaten… bedienen da auch leider ein Klischeebild.. wenn ich an meine Zeit in der Notaufnahme in der Schweiz denke… die Rega hat immer mal wieder welche gebracht.. mit Baumwollturnschuhen am Berg verunglückt usw..ach egal.. das soll nicht zuviel Raum einehmen hier !
    Wie lange bleibtst du noch in Island ?
    Gruss
    S.

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    1. liebe s. – am sonntag ist heim/rückreisetag.
      und ja, es gibt einige, die glauben nicht und verunglücken lebensgefährlich oder landen selbst mit 4×4 im strassengraben. anfangs woche machten wir eine wette, wieviele es sein werden, die uns begegnen – es waren immerhin 4 auf einer relativ kurzen strecke! lieber gruss. barbara

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  4. Ich finde es ist der faszinierendste Aspekt von Island, dass dort die Erde noch so jung und temperamentvoll ist. Der Dampf, der immer wieder irgendwo aus dem Boden kommt, die riesigen Lavafelder ……
    Gerne wäre ich auch dort und bewundere dich für die Kondition für eine 5-stündige Schneeschuhwanderung. Und zurück musstet ihr ja schließlich auch noch gehen. Hut ab und herzliche Grüße

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  5. Was du da so alles erlebst … Großartig.
    Ich kenne diese heissen Quellen nur aus den USA … ich glaub, es war im Yellowstone National Park.
    Da war es aber extrem heiss … und reinsteigen durfte man nicht.
    War bestimmt super, oder?

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