Premiere

Irgendwie schaffte ich es, beim historischen Moment dabei zu sein. Möglicherweise habe ich schon von weitem gerochen, dass ich genau an diesem Tag die Tür zum «Reykjavík Roasters Café» zu öffnen habe und nicht wie sonst, einfach daran vorbei schreiten darf.

Ich trete also ein, bestelle einen Espresso, bezahle, bevor mir der Gegenwert auf den Tisch gestellt wird – und warte.

Die jungen Frauen hinter der Kaffeemaschine füllen Tasse um Tasse, schnüffeln am schwarzen Gold, kosten es – und leeren den Rest in den Schüttstein, wie wir in der Schweiz dem Spültrog sagen.

Ich warte, weil das Prozedere wiederholend ist. Irgendwann frage ich noch, ob meine Bestelleung vergessen ging. Höflich meint eine der Beschäftigten, die Maschine sei ganz neu und heute erstmals im Einsatz: «The coffee has to be perfect». Das leuchtet ein.

Kolben um Kolben wird gefüllt, auf die Waage gelegt, anschliessend Prise um Prise weggeklaub, bis dass sich das Endprodukt der Perfektion annähert. Ich schwenke meinen Espresso, rieche und schlürfe ebenfalls und bilde mir mein persönliches Urteil: eher bitter, als perfekt. Doch das interessiert ausser mir niemanden.

Was darauf folgt? Richtig! Am nächsten Tag bestelle ich erneut meinen Espresso im «Reykjavík Roasters Café» – das Prozedere nach wie vor kompliziert.

Neben der Mühle, die für jede Bestellung die Bohnen frisch mahlt, liegt die Waage. Denn jeder mit Kaffee gefüllte Kolben wird darauf gelegt und erst in die Maschine gedreht, wenn das Gewicht stimmt.

Als mir der Espresso serviert wird, frage nach dem auffällig schönen Holz der Kolbenggriffe. «Ach, eine gute Frage», meint der Hochgewachsene mit der zu grossen Wollmütze. Er erkundigt sich beim Chef, ein ausgewiesener Meister. Jedenfalls ist er der beste Barista Islands. Dies entdecke ich hinterher auf Facebook. Und über das Bubingaholz, aus dem die Griffe sind, lese ich, dass dieses vor allem im westlichen Afrika wächst, zu den Rosenhölzern gehört und deshalb auch als «African Rozewood» bezeichnet wird.

Übrigens: Der Kaffee aus der neuen «Synessa MVP Hydra», die mit vielen Schickanen ausgerüstet ist, schmeckt am Tag nach der Premiere merklich besser.

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2 Gedanken zu “Premiere

  1. 🙂 Abenteuer.. Klasse ist das.. und auch etwas umständlich diese Probiererei.. schade um den Kaffee..
    Aber auf jeden Fall ein Erlebnis…
    Ich sitze hier bei einem guten Milchkaffee.. den Chico D’oro, gibt es zum Glück jetzt auch bei Karstadt in Deutschland.. den muss ich nicht mehr importieren,bzw. aus Bern schicken lassen. Meine Freunde sind fast froh.. ein Päckli weniger zum tragen..
    Kannst du ein Foto von dem Café machen…. von aussen ?
    S.

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    1. werde ich nachliefern, liebe s.

      chico d’oro war auch lange meiner. inzwischen sind es cafè badilatti aus dem engadin (http://www.cafe-badilatti.ch) und, ich gestehe, auch nespresso. doch dieser ist für notfälle in zürich. denn dort geh ich viel lieber in mein kaffee ums eck – das café du bonheur -, als dass ich zu hause einen schlürfe. liebe grüsse aus r. / b

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