Privileg

Relationen.

Das Mail, das ich unlängst erhielt, evozierte Ärger. Ich fragte mich, hatten wir da nicht unlängst die Generalversammlung, an der alles beschlossene Sache war? Und nun, hinterher, nochmals eine konsultative Umfrage? Wozu das? Weshalb die Mehrheitsfindung vor zwei Wochen?

Ich berichte Doris davon und echauffiere mich während des Erzählens noch einmal. Doch glücklicherweise kommt relativ schnell der Punkt, an dem wir zu einander sagen: Da gibt’s doch ganz andere Probleme.

Zum Beispiel die Durchsetzungsinitiative, über die die Schweiz in zwei Wochen abstimmt. Da geht es um Grundsätzliches, um Menschenrechte; um Menschen mit Schweizer Pass und Menschen ohne Schweizer Pass. Nach den Erfindern dieser Initiative, die internationale Abkommen gefährdet, sollen Ausländerinnen und Ausländer bei strafbaren Handlungen des Landes verwiesen werden. Ist jemand bereits vorbestraft, reicht beispielsweise ein Diebstahl, um ausgeschafft zu werden – egal wie schwer die Tat, egal wie lange in der Schweiz lebend.

Oder zum Beispiel der 23-jährige Mann, der vor wenigen Tagen meiner langjährigsten Freundin während der Sendung «nachtwach», die sie modereriert, erzählte, dass er seit einer Woche mit schweren Verletzungen hospitalisiert sei (zu hören ab Minute 24′). Er erinnere sich noch daran, dass er an der Busstation stand, als er von hinten einen heftigen Schlag auf den Kopf erhielt und als Homosexueller aufs Übelste beschumpfen worden sei. Seitdem habe er Angstattacken und epileptische Anfälle.

Oder auch, dass trotz der Vereinbarung von München auf eine baldige Feuerpause die  russischen Bombardamente auf syrische Regimegegner fortgesetzt werden und zwar in einem Gebiet, wo sich mehrere Tausend Menschen aufhalten, die vor der eskalierenden Gewalt schon einmal geflohen sind.

Und

Und   http://m.focus.de/kultur/videos/hinter-uns-mein-land-dieses-gedicht-aus-der-perspektive-eines-fluechtlings-geht-unter-die-haut_id_52

Und

So gesehen, relativiert sich Ärger oft, nicht nur der eingangs erwähnte. Was für ein Privileg in eine Welt des Friedens und der Demokratie geboren worden zu sein.

 

4 Gedanken zu “Privileg

  1. Es ist leider oft so – frau weiß gar nicht genau, an welcher Front sie am heißesten mit ihren Gedanken fechten soll. Das Leben wird allgemein sehr viel anstrengender, habe ich jedenfalls das Gefühl.
    Ich wünsche dir dennoch einen schönen Sonntag!

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