dranbleiben

Ich komme die Treppe hoch. Die Nachbarin, mit der ich unlängst im Kaffee sass (ja, es war schon wieder dieser eine Ort), steht im Gang vor dem Lift. Die Tür bereits in der Hand. Sie öffnet diese noch bis zum Anschlag, schaut mich, währenddessen sie einen Schritt macht, herausfordernd an. Lächelnd sagt sie: «Übrigens – am Tag nach unserem Gespräch fragte ich meine Psychiaterin, was der Sinn des Lebens ist.»

Ja, antworte ich – fragend im Tonfall.

Redend hält sie inne – einen Augenblick nur, bis die Tür sich in den Kontakt schnappt und sie dahinter zum Schatten wird.

Erfahren habe ich in diesem kurzen Moment unseres Begegnens: Dass die Psychiaterin 70-jährig ist, dass sie beim Antworten keinen Moment zögerte und dass sie, die Nachbarin, mir später einmal erzählen will, was sie, die Therapeutin, dazu zu sagen hat. Während der Lift mit der Nachbarin in die Tiefe sinkt, denke ich «Affaire à suivre» – was in diesem Fall soviel bedeutet, wie: dranbleiben.

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