Menschen

Der Tag an dem ich meine Erkältung kuriere, versetzt mich immerhin in den Zustand der Ruhe, die mir wiederum ermöglicht, nichts anderes zu machen, als zu lesen – von mittags bis abends.

Als ich das Buch nach 348 Seiten ausgelesen habe, sehe ich auf den folgenden zwei Seiten all die Namen, die Jenny Erpenbeck geholfen haben, dass sie den Roman GEHEN GING GEGANGEN schreiben konnte. Ich lese die Namen von denjenigen Menschen, mit denen sie Gespräche führen konnte. Hassan Adam, Malu Austen, Saleh Bacha, Yaja Fatty, Adam Koné, Bashir Zaccharya – um nur einige zu nennen – die der Autorin ihre Geschichten erzählten und durch ihre Redebereitschaft wiederum dazu beigetragen haben, dass dieses Buch Einblick in eine Welt der Flüchtenden gewährt. Gedanken anregt. Es zeigt auf, wie absurd die Verkettung all der europäischen Gesetze ist. Und es schafft vor allem in seinen dokumentarischen Passagen, dass die flüchtende «Masse» die Summe einzelner Menschen mit ihren individuellen Geschichten ist, die in Europa warten, wie über sie entschieden wird.

«Die Zeit macht etwas mit einem Menschen, weil ein Mensch keine Maschine ist, die man an- und ausschalten kann. Die Zeit, in der ein Mensch nicht weiss, wie sein Leben werden kann, füllt so einen Untätigen vom Kopf bis zu den Zehen» (aus GEHEN GING GEGANGEN von Jenny Erpenbeck).

 

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