Kreuz

Was ich gestern in der Geschichte «unterschätzt» nicht schrieb: Meine Schwester und eine meiner Freundinnen sassen ebenfalls im Restaurant, als mich die weisshaarige Frau wie eine Bekannte begrüsste. Wir sassen zusammen, weil wir es nach dem Film Carol nicht ertragen hätten, ohne unsere Erfahrungen auszutauschen, auseinander zu gehen.

Heute nun, nachdem meine Schwester, wie jeden Tag, die Bloggeschichte las, schrieb sie mir gleich ein sms: «… sie ist wieder gekommen und hat sich den Fenstertisch mit zwei Männern geteilt. Zu dritt haben sie die Passanten besprochen – auch mich, als ich wegen eines Termins an ihr vorbei eilte.»

Ihre Mitteilung finde ich einen Hammer und telefoniere meiner Schwester deswegen. Sie lacht: «Du glaubst es kaum, aber sie sass wirklich dort – an ihrem Tisch, den sie sich an diesem Tag offensichtlich erobern konnte.»

Dieser Tag war, als die Bundesversammlung das «kleinere Übel» zum neuen Bundesrat wählte. Nämlich einen der drei vorgeschlagenen Vertreter der Zünselpartei, genannt «Schweizerische Volkspartei» (SVP).

Die demokratisch gewählten Volksvertreter der andern Parteien waren an diesem Mittwoch artig, weil sie sich an die Vorgaben der SVP hielten. Denn diese drohte, wehe, wenn ihr jemanden anderen als einen der drei Vorgeschlagenen aus unserer Partei wählt, dann werfen wir ihn ebenfalls raus.

Dass es der Parteispitze und ihren Gefolgsleuten ernst ist, haben sie schon einmal bewiesen. Damals, als die Mehrheit der Bundesversammlung Eveline Widmer-Schlumpf wählte. Daraufhin musste sie sich eine neue politische Heimat suchen. Nun ist sie, eine der besten, die unser Land hatte, zurückgetreten und das Parlament hat sich ans Diktat gehalten und das «kleinere Übel», wie von Parteilinken immer wieder zu hören war, in den Bundesrat gewählt. Vielleicht ist Guy Parmalin, der Gewählte, doch ein anderer, als viele wie ich denken. Wer weiss.

An diesem Tag wäre ich auch deshalb gerne dort gewesen, wo die Frau am Fenster sass, um von ihr zu erfahren, was sie davon hält. Wahrscheinlich würde sie mich mit ihrer Antwort nicht unbedingt erneut überraschen. Schliesslich hat sie das «weisse Kreuz» und nicht den «Schweizerhof» als Stammbeiz gewählt.

 

 

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