zuversichtlich

Ich habe Rosen mitgebracht – gelbe, weil ich weiss, dass er diese Farbe besonders mag. Er öffnet die Verpackung und freut sich übers Geschenk. Achtsam stellt er die Blumen ins Wasser – diese Sorgfalt bei allem, berührt mich nicht nur jetzt, wo wir zusammen in der Küche stehen.

Heute muss ich nicht viel fragen. Er beginnt von selbst zu erzählen, vom Eingriff am Herz und der langwierigen Rekonvaleszenz. «Dabei», sagt er, «war ich vorbereitet fürs Loslassen.» Jetzt sei er aber ebenso froh, dass es ihn noch gebe. Und sein Partner, der nun neben uns steht, meint sichtlich erleichtert: «Ja, wir haben wieder einmal Abschied geübt.»

Zum Kaffee setzen wir uns in die Sessel, in denen wir immer sitzen, wenn ich sie besuche. Daran hat sich nichts geändert.

Schon bald reden wir übers Leben und was kommt. Ich erzähle von meinen Plänen, nächstes Jahr erneut nach Island zu gehen – dann aber ins winterliche. Auch sie kennen das Land vom Wandern. Sie erinnern sich, wie sie ein einziges Mal auf einem Island-Pferd ritten – der weniger Bewegliche besser als der Wendigere. Das war vor 16 Jahren.

«Das stimmt zuversichtlich», sage ich zu den beiden 85-Jährigen, die in diesem Frühjahr noch in den USA waren – und meine damit nicht nur das Reisen.

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6 Gedanken zu “zuversichtlich

  1. Ganz von fern erinnert es mich an unseren Ex-Außenminister. Er und sein Partner haben wohl auch mehrmals „Abschied geübt.“
    Schön, wenn man in diesem hohen Alter noch in jeder Beziehung beweglich ist.

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