Montag

Ich stehe, wie fast jeden Montag, gegen 17 Uhr auf der grünen, gummierten Matte. Wir vier Frauen dehnen, drehen, biegen und balancieren unsere Körper so gut wie möglich nach den Anleitungen unserer «Lehrerin». Gewisse Übungen – eine Kombination zwischen Pilates und Yoga – schaffe ich. Einige bereiten mir Mühe.

Unlängst erzählte ich Doris von meiner ungenügenden Körperbalance. Noch während ich ihr die Übung beschreibe, lieg sie schon auf dem Küchenboden, hebt ihre Hüfte, streckt das eine Bein in die Länge, die Arme in die Höhe und will wissen, ob sie meine Worte richtig versteht: «Meinst du so?» Ja, schon.

Auch sie realisiert, wie ihre Wendigkeit nachgelassen hat. Als sie mir wieder gegenüber sitzt, mache ich deshalb den naheliegenden Vorschlag des gemeinsamen Übens.

Ihr konsternierter Blick, ihr kurzes Schweigen interpretiere ich bereits als Absage. Doch nach der fast schon dramaturgisch gesetzten Pause, sagt sie in die Stille: «Das ist für mich der Inbegriff von ALT.»

Ich lache und sehe zugleich meine Eltern, wie sie bis ins hohe Alter täglich turnten – mein Vater um einiges ungelenker als meine Mutter.

An beides muss ich kurz denken, als wir vier Frauen gegen das Ende der Stunde auf dem leicht gebogenen linken Bein stehen, das rechte anheben und unsere Arme seitlich in die Länge dehnen, so als ob wir aufs Abheben warten würden.

 

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