aushalten (5)

Ich sitze noch einmal am Fenster in Berlin Mitte – da, wo ich mit meiner Schwester am Abend ihrer Abreise noch über so Verschiedenes redete. Die Autos zischen vorbei, noch immer fällt Regen – bald schon klopft er mir auf Kapuze und Mantel.

Ich trinke Tee und denke: «ja, genau – so ist es». Und zwar, so als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Als hätte sie aufgehört, voran zu schreiten. Meine Schwester pflichtete mir bei, als ich ihr davon erzählte. Sie meinte: «Mir geht es ebenso. Ich kann anderswo  den Alltag einfach besser hinter mir lassen.» Sie könne besser schlafen, sich besser gehen lassen. Dabei wirft sie ihre Arme vom Körper, um dem, was sie sagt, noch mehr Gewicht zu geben: «Alles belastet mich einfach viel weniger.»

Mir geht es ähnlich. Abschalten und treiben lassen, ist mir während dieser Tage besonders gut gelungen. Nicht dass ich auf Aktivismus machte. Nein. Ich war mit einfach mit weit geöffneten Poren unterwegs – so vieles saugte ich dabei auf.

Einmal mehr bin ich darin bestätigt, dass ich in meinen dauerferien regelmässig Pausen machen sollte.

Alles ist gepackt. Ein letztes Mal schliesse ich die Tür, um im «East&Eden» einen letzten Cappucino zu trinken. Und ich freue mich schon jetzt, dass in wenigen Stunden – in «South&Eden» Doris mich am Zürcher Flughafen umarmen wird. Ich bin glücklich über die Nähe, die Distanzen aushält. Da hat es sich ganz unbemerkt reingeschlichen dieses «aushalten».

Das war gestern; und heute hallt das Gestern nach.IMG_2291

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s