aushalten (3)

Hier nun also die versprochene Fortsetzung von «aushalten 2».

Ich werde oft gefragt: «Wie geht’s?» «Hast du es gut?» Oder: «Hast du dich gut eingefunden ins Leben als Pensionierte?»

Als Antwort habe ich noch keine Kuzrform gefunden. Meistens muss ich etwas ausholen. Aber keine Angst – hier gibt’s kein Ausschweifen. Vielleicht nur soviel: Seit ich nicht mehr in gegebenen Strukturen eingebunden bin, probiere ich aus, wieviel ich davon für mein Leben benötige, um den Tag nicht mit einem schalen Gefühl zu beenden.

Vor kurzem habe ich begonnen, mit etwas Vorlauf – auch wenn es nur der Vorabend ist – zu überlegen, womit ich den kommenden Tag, die nächsten Tage gestalten will: schreiben in meinem Atelier, Menschen treffen, Kultur konsumieren, rudern, intensiv lesen, nichts tun, putzen/waschen, wandern … In die Überlegungen werden auch immer Dauer und  Ausgangspunkt miteinbezogen: «Zürich-zu-Hause», «Bodensee-zu-Hause» oder ganz anderswo?

Bis jetzt hat es recht gut funktioniert. Nicht weil ich ein starres Korsett brauche, sondern weil mir dieses System Unabhängigkeit bietet. Dies mag komisch klingen. Aber es schenkt mir  Freiheit – auch, dass ich Vorgenommenes jederzeit über den Haufen werfen und spontan etwas anderes machen kann. Und ich habe die Erfahrung bereits gemacht: Wenn ich das am Vorabend definierte Ziel umsetze, renne ich am Folgetag nicht etwas Bestimmtem hinterher, nur weil ich es verpasst habe, rechtzeitig voraus zu planen.

Deshalb wanderte ich schon ganz früh am Morgen durchs Toggenburg. Deshalb werde ich anfangs Oktober für drei Wochen nach Berlin verreisen – fürs Rudern mit einer mir noch unbekannten Gruppe und anschliessend fürs Sein und konsumieren von Kultur. Bereits habe ich Karten für Vorstellungen in Schauspielhäusern.

Ich freue mich auf die Berliner Tage – auch weil mein spontaner Entscheid ein ebenso spontanes Entscheiden bei meiner langjährigsten Freundin und meiner Schwester ausgelöst hat. Beide verbringen mit mir einige Tage in der Grossstadt und ich bin mir jetzt schon sicher: Mit jeder Wegbegleiterin werde ich das Zusammensein richtig gut «aushalten».

2 Gedanken zu “aushalten (3)

  1. Barbara Bürer schreibt:

    Ich freue mich sehr, dass ich mit Dir ein paar Tage in Berlin richtig gut «aushalten» darf! Ich bin gespannt, was wir in meiner alten Heimatstadt neu entdecken werden. Barbara

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