verletzend

«In mancher Beziehung habe ich den Eindruck, dass wir noch im Mittelalter leben. (…) In der Großstadt wie hier in Berlin ist es für schwul-lesbische Paare sicherlich einfacher als auf dem (katholischen) Dorf.» War der Kommentar von Clara Himmelhoch auf meinen Blog «Maske». Es ging darin um ein Gespräch mit einer älteren Frau, die mir sagte, dass sie sich vor Verletzungen schütze, indem sie ihre Homosexualität lieber im Versteckten lebe.

Auf den Kommentar von Clara Himmelhoch antwortete ich: «In Grossstädten (wenn sie nicht in Russland / Ungarn, gewissen afrikanischen Ländern und andern feindlich gestimmten Ländern sind) ist es sicherlich so.» Dass dieser Austausch von Bloggerin zu Bloggerin bereits wenige Tage später überholt sein wird, beziehungsweise in Frage gestellt, ahnte ich damals nicht.

Ende letzter Woche hatte der Churer Bischof Vitus Huonder im deutschen Fulda einen absolut schockierenden Auftritt: An einem Forum zu «Freude am Glauben» wetterte er unter anderem anhand von Bibelstellen gegen Homosexualität. Zitat des unsäglichen Zitates (Buch «Levitikus»): «Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Greueltat begangen. Beide werden mit dem Tod bestraft. Ihr Blut soll auf sie kommen.»

Diese Aussage hat der Churer Bischof auf Grund des Aufruhrs drei Tage später etwas relativiert.

Doch gesagt, ist gesagt. Verurteilt, ist verurteilt. Und ich behaupte: Wer diese Haltung nicht verinnerlicht hat, wird eine solche Bibelstelle nie zitieren und sie kontextlos stehen lassen.

Menschen, die Homosexulität leben – ob im Verborgenen oder offen – sind mit diesem «christlichen» Zitat verletzt worden. Also auch ich. Verletzt wurden dadurch auch unsere  Familien, unsere Freundinnen und Freunde, unsere Bekannten. Und nicht unterschätzt werden darf dabei, dass solch «mittelalterliche» (Vor)urteile, wie es sie gegenüber homosexuell lebenden Menschen heute noch immer gibt, einmal mehr zementiert worden sind. Da hilft schönreden und zurückkrebsen nichts.

5 Gedanken zu “verletzend

  1. Nicht grundlos bin ich aus der katholischen Kirche ausgetreten, denn auch in anderen Beziehungen finde ich ihre (die Kirche ist gemeint) vertretenen Ansichten mittelalterlich. Zu Tausenden verhungern Kinder, aber wenn ein verantwortungsvolles Paar oder auch eine Frau allein entscheiden möchte, diesem ungeborenen Leben = Fötus nicht das Leben zu schenken, dann spielen sie die großen Moralwächter.
    Es irritiert mich immer ein wenig, dass du den Begriff „Blog“ so unterschiedlich einsetzt. Der und das Blog ist eigentlich die Gesamtsammlung aller Artikel, die von vielen auch „Post“ genannt“ werden. Dieser heutige Post heißt zum Beispiel „Verletzend“ – so, jetzt schalte ich den „Klugscheißermodus“ wieder aus und kümmere mich um meine Baustelle.
    Lieben Gruß zu dir!

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  2. Nina schreibt:

    Herr Huonder hat in seiner Rede nicht nur menschenverachtende Stellen aus dem alten Testament öffentlich vorgetragen, sondern dazu angemerkt, dass die Bibel an diesen Stellen die göttliche Ordnung darstelle und diese Bibelstellen genügen würden, um der Frage der Homosexualität aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende zu geben (siehe http://www.kathtube.com/player.php?id=38226).

    Nach Art. 259 StGB sind solche öffentliche Aufforderungen zu einem Verbrechen strafbar …
    Kann ich nur hoffen, dass die Klage gegen Herr Huonder eingereicht wird und er die Quittung für seine ständigen Hetz- und Hassreden bekommt.

    Gefällt 1 Person

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