neue Welten (1)

Als ich diese Woche mit meiner Zürcher Freundin, die zwar fünf Jahre älter ist als ich, aber erst seit einem halben Jahr im sogenannten Ruhestand lebt, an der Langstrasse in einem italienischen Restaurant sitze, kramt sie aus ihrer Tasche alte «DIE ZEIT»-Artikel, die sie speziell für mich aufgehoben hat. Der eine ist eine kritische Auseinandersetzung über die Glaubwürdigkeit des Journalismus und der andere eine Reisereportage über Island. Es freut mich, dass sie während des Lesens dachte, es könnte mich interessieren. Zum Reiseartikel meine ich, dass das Zeitungs-Island nicht meines sei. Denn vor meiner Auszeit im Norden habe ich manchen Artikel gelesen – fast in jedem wurden dieselben Orte beschrieben. Jedenfalls war ausser Reykjavik und Stykkishólmur keine Destination dabei, die auf meiner Route lag. Kein Wunder, dass die beiden erwähnten Städte am Überquellen sind.

Meine Freundin macht mir an diesem Abend einmal mehr ein Kompliment. Sie liebt meine Blog-Geschichten – allen vorab diejenige, die sie selbst betrifft («diesig», vom 8. Juli). Zudem meinst sie, dass sie es ganz toll finde, dass ich mich nach meiner Pensionierung sogleich Neuem zuwenden würde und nicht erst Altes abarbeite.

Damit liegt sie richtig – etwas präziser: auch richtig.

Bloggen ist für mich etwas ganz Neues. Früher, als junge Berufsfrau, schrieb ich jeweils Zeitungsartikel und Filmkommentare. Die Erinnerung daran: Es war fast immer ein Krampf, ein Ringen um Aufbau und Sätze. Erst viel später, als ich zum Buchschreiben fand, kam eine gewisse Leichtigkeit ins Schreiben, trotz der Schwere der Themen.

Und nun habe ich das Blogschreiben entdeckt. Es ist für mich etwas total Neues, so wie es meine Freundin wahrgenommen hat. Es bietet mir allerdings auch eine tolle Möglichkeit, vieles zu reflektieren – auch altes. Und: es ist vor allem eine totale Herausforderung.

Beim Schreiben setze ich mir Ziele: Ich will eine Alltags-Geschichte erzählen. Es soll persönlich (nicht zu verwechseln mit intim), kompakt (nicht länger als 350 Worte), locker erzählt sein und unvorhergesehene Wendungen enthalten. Ich nehme mir jeweils auch vor nicht länger, als bis zu zwei Stunden am Text zu arbeiten.

Nun habe ich bereits 330 Worte erreicht. Deshalb: morgen mehr. Nämlich: Durchs Bloggen entdeckte ich auch neue Welten. (Exakt 347 Worte bis anfangs Klammer).

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