neue Räume (1)

Gestern bin ich westwärts gefahren. Ich landete am späteren Nachmittag in Stykkisholmur, der dritten Station meiner siebenwöchigen Islandreise. Bis Mitte Juni, bis zur Ankunft meiner Lebenspartnerin, werde ich hier bleiben. Jedenfalls habe ich noch keine andern Pläne ausser: Schauen, was auf mich zukommt.

Stykkisholmur hat ebenfalls viel isländischen Charme: Das Dorf liegt unglaublich schön; ebenso pittoresk sind die Fischerboote im Hafen und die urtümlichen Häuser in ihren leuchtenden Farben. Ein richtiger Postkarten Ort, dessen Bild nur von wenig Modernem getrübt wird. Jedenfalls wirkt er wie ein Magnet auf Reisende – so auch auf mich.

Dennoch, besser gesagt: Gerade deshalb habe ich mir heute Abend, als ich eines der beiden Restaurants aufsuchte, die unspektakuläre Alltäglichkeit von Selfoss herbeigewünscht, wo es Touristinnen und Touristen nicht viel länger aushalten als für einen kurzen Stopp an Stromschnelle oder Tankstelle. Wenn dies hier ebenso wäre, dann fände ich es so richtig gemütlich.

Glücklicherweise überwand ich mich, am Hafen ins Restaurant «Sjávarpakkhúsið» im ehemaligen Lagerhaus zu treten. Es gab noch einen freien Zweiertisch für mich, ganz an der Wand.IMG_1908 Während des Wartens auf mein Nachtessen – Tagesfisch und Gemüse bei Bier (isländisches «Einstök») und eBook («Sommerlicht, und dann kommt die Nacht» des isländischen Autors Jón Kalman Stefánsson) – erinnerte ich mich ans Mail meiner Schwester, die dasselbe von mir wissen wollte wie meine langjährigste Freundin. Diese eine  Frage hätte ich heute Abend etwas anders beantwortet, als noch vor zwei Tagen – nämlich:

Ja, in Situationen wie jetzt: kein Swing, schon eher Blues; um mich herum fast nichts Isländisches. Dann geht es nur, wenn ich mich bemühe, ans Bereichernde meines alleine unterwegs seins zu erinnern. Es warten immer wieder allerschönste Momente auf mich, sobald ich mir vornehme, die Zeile umzusetzen, die mir in vielen Situationen geholfen hat: «Fremde Türen öffnen und neue Räume betreten –  auch in mir».

Vom Blues blieb ich glücklicherweise verschont.

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