Verborgenes

Im Gelände hinter Stall und Auslauf der Islandpferde steht ein Stein – etwas grösser als die andern. In der Schweiz würde man je nach Region möglicherweise sagen, es handle sich dabei um einen Findling, der vor Urzeiten ein Gletscher mitgeschoben hat.

Auf Island gibt es viele Findlinge und Brocken, die bei Vulkanaktivitäten ausgespien worden sind. Unter ihnen befinden sich auch Sagen umwobene wie auf Egilsstaðir 1. Dort im Wäldchen – bei dem einen, speziellen Stein -, steht eine Elfenkirche. So überliefert man es sich seit Generationen.

Ólafur hat mir das offene Geheimnis anvertraut, als ich ihn explizit nach solchen Plätzen fragte. Er erzählt mir, dass der frühere Besitzer des Pferdehofes selber keine Elfen wahrgenommen hat. Dieser habe allerdings von Menschen gehört, die am Platz des Steines welche gesehen hätten. Dieser Stein dürfe deshalb niemals zerstört werden. Ólafur ist überzeugt: «Das würde Unglück bringen.»

Elfen – und auch Trolls – werden hier geachtet. Jede und jeder kennt Geschichten über diese Wesen. Ihre Plätze bleiben unangetastet – der Verlauf einer Strasse, wird deshalb abgeändert oder ein Bauvorhaben modifiziert.

Wer auf Island von diesem «Zauber» nichts hält, respektiert ihn dennoch. Denn sollte sich im Nachhinein herausstellen, dass es Elfen gibt, hat man es sich mit ihnen wenigstens nicht völlig verdorben. Im übertragenen Sinn ist dies auch eine wertvolle Lebenshaltung: Sich gegenüber Verborgenem nicht verschliessen.

Übrigens: Das Sinnbild fürs Gegenteil, für Ignoranz, habe ich als Skulptur in Reykjavik vor der Stadtverwaltung gefunden.

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